Thomas Sternberg | MdL
 



Share |

   
Blog
Drucken

Thomas Sternberg bloggt

Ab sofort finden sich an dieser Stelle persönliche Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Wahlkampf - geschrieben von Thomas Sternberg persönlich!

Abseits aller Klischees: Oberammergauer Passionsspiel

Nachtrag: Sonntag, den 16. Mai 2010

Mit der Bahn nach Oberammergau zu kommen ist eine größere Aktion: zuerst zum Bahnhof München mit der S-Bahn, mit der RE nach Murnau, weiter mit der stündlich verkehrenden RB zum Ziel. Dort treffen wir auf einen außerordentlich freundlichen und hilfsbereiten Taxifahrer, der sich als Steuerfachmann aus Hamburg entpuppt, der mit Sonderurlaub in seinem Heimatdorf zu den großen Spielen aushilft. Wir waren schon 2000 auf Einladung des Bürgermeisters, der sich für meine Intervention zugunsten eines Kreuzwegs von Robert Wilson bedankte, dort und ich hatte mir geschworen, nie wieder leichtfertig über diese Tradition zu reden, so sehr hatte mich das seit 1633 im Zehn-Jahres-Takt aufgeführte Mysterienspiel beeindruckt. Und so war es auch dieses Mal wieder.

In dem kleinen Hotel begrüßte uns herzlich der langbärtige Chef, der anschließend als Hoherpriester auf der Bühne des riesigen Festspielhauses stand. Trotz der Kälte wurde der Nachmittag und Abend – man spielt von halb drei bis um viertel nach fünf und dann im zweiten Teil von acht bis elf Uhr – nie lang oder monoton. Einige Informationen zunächst: die über fünf Stunden Aufführungszeit sind zu einem Drittel Musik eines sehr hörbaren Oratoriums, das zwar reichlich verändert und ergänzt wurde, aber im Kern von einem einheimischen Dorflehrer stammt, der das Werk in der Tradition von Josef Haydn und im Vorgriff auf die großen Oratorien des 19. Jhdts. verfasst hat. Die eigentliche Passionsgeschichte konzentriert sich auf den zweiten Teil; der erste endet mit der Gefangennahme. Davor sieht man Szenen des Wirkens Jesu in Galiläa, die die Botschaft Christi sehr gut verdeutlichen.

Theologisch spannend sind die typologischen Verweise in den Anfnagsszenen, die von dem Erzähler eingeleitet und vom Chor beantwortet werden. Dann öffnet sich die Mittelbühne und man bekommt „tableaux vivantes“, Interieurs mit Menschen in erstarrten Positionen, zu sehen, wie sie früher einmal Mode waren und ich sie heute nur noch aus diesem Passionsspiel kenne. Stilistisch waren sie zwischen Beuroner Kunstschule und Nazarenern angelegt und so deutlich von den sonstigen, durch ausgesuchte, sensible Farbigkeit markierten Kostüme abgesetzt, dass die Künstlichkeit der starkfarbigen Bilder selbst zum Thema gemacht wurde.

Was beeindruckt ist die Ernsthaftigkeit der Darstellung, die weitaus mehr ist als Theater. Man fühlt sich an das erinnert, was vielleicht einmal die Anfänge des Theaters waren mit dem kommentierenden Chor, den statischen Bildern und der Beteiligung der vielen Menschen in Szenen zwischen intimen Zwiegesprächen bis hin zur Massenszene mit über 800 Akteuren, mit Dromedaren und Pferden, mit Schafen und vielen hin und her rennenden Kindern. Und dazu eine sehr gute Personenführung, exquisite Kostüme – man fühlt sich gelegentlich wie in einem Bild Piero della Francescas – und behutsame, niemals platte Bezüge zur Zeitgeschichte.

Das wichtigste bleibt jedoch die überragende Gemeinschaftsleistung, die es zu bewundern gilt: ein Dorf mit nicht mehr als fünfeinhalb tausend Einwohnern schafft es, für knapp 500.000 Besucher ein Spiel auf die Bühne zu bringen, das alle zum Mitmachen bringt. Ein Orchester oder Solisten einzukaufen, wäre keine Schwierigkeit, aber alle Rollen, alle Sänger und Solisten, alle Instrumente, alle Techniker und Leitungsfunktionen mit Menschen aus der Gemeinschaft zu besetzen un d noch dazu im Haupterwerbszweig des Dorfes, im Tourismus absolute Hochkonjunktur zu bewältigen, das verlangt mehr als Respekt. Es handelt sich als solches schon um ein künstlerische Aktion ohne Parallele. Aber wie sagte unser Wirt und Hoherpriester, der in der Pause für das Abendessen im Hotel sorgte, angesprochen auf diese Leistung: „wir machen das ja schon fast 400 Jahre so“. 

Wir fuhren jedenfalls am Montag erfüllt von einem geistlich und künstlerisch gleichermaßen großen Erlebnis wieder nach Münster zurück.

 

______________________________________________________________________________

Erlebnisse am Rande des ÖKT

Nachtrag: Samstag, den 15. Mai 2010

Von so vielen Erlebnissen aus München wäre zu berichten. Wichtig sind vor allem die vielen Treffen, ob mit Prominenten, Freunden oder auch in zufällig sich ergebenden Gesprächen. Dem Austausch dienen auch die sehr gut besuchten Empfänge der Parteien, die man kaum alle wahrnehmen kann, weil die ausgewählten Veranstaltungen an weit entfernten Orten liegen und ein Großteil der Zeit in der S-Bahn verbracht wird. Orte der Begegnung sind natürlich die Stände in der hier riesigen „Agora“, den Hallen mit den kirchlichen und außerkirchlichen Verbänden und Organisationen. Amüsant am Rande: ein Stand des „Sternberg“, einem Zentrum der Herrnhuter für behinderte Kinder in Palästina, wo man unter anderem „Karten mit Motiven von Sternbergkindern“ erwerben konnte …

Die Veranstaltungen, bei denen ich mitwirkte: Ein Forum mit dem Kulturrat in der wunderbar streng wieder aufgebauten, heute profan genutzten Allerheiligen Hofkirche in der Residenz führte zum Wunsch nach einem Gemeinsamen Wort der Kirchen zur Kulturpolitik. Das große Hauptpodium zur Bildungspolitik in der riesigen Messehalle C 2 war etwas zu breit angelegt, konnte aber den Skandal thematisieren, dass in Deutschland Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, weil wir zu viele junge Menschen ohne Schulabschluss aus dem Bildungssystem entlassen.

Die Veranstaltung, von der ich am wenigsten erwartet hatte, erwies sich als die beste: wieder in der „Kulturkirche“ ging es um „Community und Communio“. Ein sehr guter Poetry-Slam von zwei 18jährigen führte ins Thema der facebook-Generation ein. Dazu dann ein Redakteur der SZ und der Organisator der „flashmops“ – über SMS gesteuerte anarchische Gemeinschaftsaktionen im Stadtraum (mit Förderung des Kulturamts) - in München. Dann habe ich einige Gedanken über Präsenz und spirituelle Communio in der Liturgie geäußert. Das ging tiefer als vom etwas flotten Titel her erwartet.

Von vielen anderen anregenden Veranstaltungen kann ich hier nicht berichten; von den gelungenen Großgottesdiensten mit neuen Formen des Vortrags der Lesungen, von der Bibelarbeit mit Jürgen Flimm, von der Debatte mit Hans Schöler und Annette Schavan, von der Messfeier mit einer sehr spirituellen, guten Predigt unseres Bischof Dr. Felix Genn in der Frauenkirche, von dem wunderbaren, bewegenden Konzert mit Michael Tippets „A Child of our Time“ auf den 9. November 1938 und Frank Martins Oratorium zum 8. Mai 1945 „in terra pax“ oder auch von der liturgisch aufgeführten Matthäuspassion zum Mitsingen auf dem Odeonsplatz. Eine Fülle von guten Eindrücken aus dem ungewohnt nasskalten München.

Eine Kritik am gelungenen Kirchentag doch noch: ästhetisch blieb die Gestaltung der Theresienwiese als liturgischer Ort hinter dem Eucharistischen Weltkongress 1960 und dem Katholikentag 1984 am gleichen Ort zurück. Ein Wettbewerb einer Klasse von Architekturstudenten der TU München kam zu spät, um noch für die Gestaltung berücksichtigt zu werden. Ich hatte bei dem Kolloquium zu Beginn der Aktion mitgewirkt und traf jetzt auf die fertigen Entwürfe, die in einem Seminar mit dem Ehrengast Prof. Gottfried Böhm präsentiert wurden. Wieviel mehr wäre möglich gewesen, wäre man nicht bloß von einer Bühne für alles auf dem riesigen Gelände ausgegangen, sondern hätte sich klar gemacht wie auch für Großereignisse der liturgische Ort seine Bedeutung für das, was dort geschehen soll, hat. 

________________________________________________________________________________

Ökumenischer Kirchentag zum Zweiten

Nachtrag: Freitag, den 14. Mai 2010

Der Blog ist einige Zeit unterbrochen, weil mir der Rechner auf der Fahrt nach München abgestürzt und nun völlig defekt ist. So muss ich nachtragen mit einem neuen Rechner „post festum“. Nun also zu Mittwoch, dem 12. bis Freitag, dem 14. Mai:
Angelika ist schon am frühen Mittwochmorgen nach München gefahren, Kaspar und sein Freund Kaspar werden am Nachmittag fahren – ich habe erst noch den Termin der Programmzusammenstellung in der Akademie. So treffen wir zu unterschiedlichen Zeiten zum Zweiten Ökumenischen Kirchentag ein. Leider haben wir schlechtes Wetter, das sich auch in den folgenden Tagen nicht bessert.

In Berlin war ich 2003 im gemeinsamen Präsidium des ersten dieser gemeinsamen Großveranstaltungen. Hier hat mich der Wahlkampf an einem größeren Engagement gehindert. Besonders positiv ist eine erste Erfahrung in der Eröffnung: in den Begrüßungen von Alois Glück und Erzbischof Reinhard Marx und in den Fürbitten wird das Thema des Missbrauchs in der Kirche so offensiv angesprochen, dass niemand sagen kann, hier werde versucht, etwas unter den Tisch zu kehren. Der offene Umgang mit dem, was aus den vergangenen Jahrzehnten nun ans Licht kommt ist sehr gut. Besonders dankbar bin ich dafür, dass die Evangelischen nicht etwa hämisch auf die katholischen Brüder zeigen, sondern sogar in Kauf nehmen, gelegentlich in die Sippenhaft „der Kirche“ genommen zu werden.

Welch ein Glück für die katholische Kirche in Deutschland ist es, dass Alois Glück doch noch bereit war, das Präsidentenamt des Zentralkomitees der deutschen Katholiken zu übernehmen! Es ist außerordentlich wichtig, dass jetzt ein Kenner politischer Vorgänge und journalistischer Fallenstellereien sich für die Laien äußert. Und Alois Glück, zu dem wir ein freundschaftliches Verhältnis haben, hat die Last der neuen Aufgabe angenommen und füllt das Amt in seiner überlegten und überhaupt nicht polarisierenden Weise bewundernswert aus. Die Deutsche Bischofskonferenz wird nun den verfassten Katholizismus in Deutschland neu wertschätzen. Man stelle sich nur einmal vor, als Stimme der Laien kämen jetzt nur die Vertreter von „Wir sind Kirche“ vor…

Ökumene ist viel selbstverständlicher in der Praxis geworden. Es scheint mir der größte Unterschied zu Berlin 2003 zu sein, dass wir keine Selbstbehauptungsbewegungen der einen oder anderen Seite erlebt haben. Es geht alles mittlerweile in der Ökumene mit einer durchaus gewohnten und selbstverständlich-nüchternen Einheit in Verschiedenheit. Und die Fixierung auf das gemeinsame Abendmahl ist diesmal auch eher ein Thema der älter gewordenen Reformbewegten der sechsziger Jahre. Natürlich ist der Wunsch nach dem gemeinsamen Abendmahl da – aber er dominiert nicht mehr das ökumenische Gespräch.    

Neu ist die Präsenz der Ostkirchen, der Orthodoxie in München. War der 1. ÖKT eine Sache der evangelisch – katholischen Ökumene, so ist dieser geprägt von der ACK, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen“, die auch hier bei uns in Münster gut arbeitet und zeigt, dass die Welt des Christentums viel bunter ist als es die zahlenmäßig natürlich weit dominanten großen Kirchen glauben machen. Eine orthodoxe Vesper mit 1000 festlich gedeckten Tischen war ein spirituelles und Gemeinschafts- Erlebnis, aber natürlich weit von jeder Eucharistie entfernt. Die Orthodoxie kennt – wie übrigens auch die Westkirchen – die Tradition der „Eulogia“ oder des „Antidoron“: bei der Zubereitung des Brotes übrig gebliebene Teile, die nicht konsekriert, aber vom Priester gesegnet und nach der Feier verteilt werden. Brot, das nach der gemeinsamen Feier mitgenommen oder am Ort verzehrt wird.  

Ein schönes und altes Zeichen der Einheit wurde da aufgegriffen. Dieses Brot war und ist nämlich nicht nur als Kommunionsersatz verwandt worden. Schon am Ende des vierten Jahrhunderts treffen wir – zum Beispiel bei Augustinus in Nordafrika – auf die Sitte, Broteulogien als Zeichen der Einheit unter Bischöfen auszutauschen. Erst durch die freundliche Entgegennnahme wurde es, wie es in den alten Quellen heißt, zum Sinnbild der geschwisterlichen Einheit….

________________________________________________________________________________

Die alte und die neue Fraktion

Dienstag, 11. Mai 2010

Das erste Treffen nach der Wahl in Düsseldorf: eine Stunde lang die alten Fraktion mit 89 zum Teil inzwischen sehr vertrauten Kollegen und dann, nach einer kurzen Pause, die neue Fraktion mit 67 Mitgliedern, zum Teil neue Gesichter, neue Persönlichkeiten. Helmut Stahl wurde sehr herzlich verabschiedet mit lang anhaltendem Beifall der stehenden Fraktion – was ihn nicht ungerührt ließ. Ich werde seine ausgleichend fröhliche und zugleich sehr intellektuelle Art vermissen, mit er es verstanden hat, Regierungs- und Fraktionsinteressen in Einklang zu bringen oder doch zumindest dies nicht zum Problem werden zu lassen.

Nachdem sich am Sonntag Abend die SPD geradezu berauscht hatte, war nach dem Absenken des Adrenalinspiegels am nächsten Tag die Situation deutlicher: sie hat bei dieser Wahl das ihr schlechtestes Ergebnis seit 1954 eingefahren und trotz der gigantischen Materialschlacht auch in den zum besonderen Angriff ausgewählten Kreisen wie Münster mit - 4,2% kräftig verloren. Die Freude war wohl vor allem über den Erdrutsch der CDU und das Ende von Schwarz-Gelb. Die Schlussabrechnung mit 6.200 Stimmen oder 0,1% mehr für die CDU ernüchterte zusätzlich. Welche Art von Koalitionen sind jetzt möglich? Nun beginnt die Zeit des Taktierens und der Diplomatie.

Die Münsterlandrunde traf sich anschließend. Von ehedem 12 Mitgliedern sind wir noch 10. Auf die elf Kreise bezogen ist das sehr gut. Aber in anderen Vergleichen sieht es nicht so gut aus. So sind wir nur noch 25 Westfalen gegenüber 42 Rheinländern. Da werden wir Westfalen wohl etwas enger zusammen rücken müssen, um westfälischen Interessen weiterhin Gehör verschaffen zu können. In der Runde konnte wir die drei Neuen begrüßen: Christina Schulze Föcking aus Steinfurt, Astrid Birkhahn aus Warendorf und unser Josef Rickfelder. Die ersten Überlegungen für die Ausschussbesetzungen und anderes mehr lag an.

Früh ging es weg zum Programmausschuss des WDR-Rundfunkrats, wo es unter anderem um die Wahlberichterstattung ging. Die Frage der Objektivität stellt sich dort weniger im Auszählen der einzelnen Rede- und Themenanteile als vielmehr darin, worüber überhaupt berichtet wird, was zum Thema gemacht wird und worüber geschwiegen wird. Die Süddeutsche Zeitung hatte heute eine heftige Kritik an der Einbeziehung von Plasbergs „hart aber fair“ Einschub in die Tagesschau, womit gröblich das Prinzip der Trennung von Bericht und Kommentar verletzt worden sei. Wir werden über das Thema wohl noch weiter reden.

Auch unsere große Programmbeschwerde zu Regividerm stand wieder an: ich habe die Frage nach der Verwendung von Teilen des Filmes in der türkischen Werbung der Produktionsfirma der inzwischen nur als kosmetisches Produkt eingestuften Creme gestellt. Offensichtlich sind diese Wucherungen des unsäglichen Beitrags ohne Wissen und Billigung des WDR erfolgt. Man wird der Sache nachgehen, ich bin nicht allein auf die Antwort gespannt.
Ansonsten lässt inzwischen die Spannung nach und das Schlafdefizit der letzten Wochen wirkt sich aus. Ich bin sehr froh, dass die Plakate wieder weg sind und ich wieder leichter unerkannt durch die Stadt laufen kann. Ich habe es genossen wieder wie gewohnt mit dem Fahrrad zum Bahnhof zu fahren und nicht eines der beiden Autos präsentieren zu müssen. Der unentwegte Zwang zur Öffentlichkeit gehört zu den anstrengenderen und unangenehmeren Seiten des Politikerdaseins. Am liebsten würde ich einen Tag lang nur ausruhen und aufräumen – aber daran ist noch nicht zu denken: morgen geht es zum 2. Ökumenischen Kirchentag nach München, wo ich bei drei Veranstaltungen mitwirken werde; wenngleich ich heute Abend noch keine richtige Vorstellung davon habe, was da von mir erwartet wird. 
 

 ________________________________________________________________________________

Der Tag danach

Montag, 10. Mai 2010

Schon in der Zeitung war zu lesen, was ich heute vorhatte. Wie angekündigt gab es zunächst die Planungsbesprechung mit den Mitarbeitern in der Akademie Franz Hitze Haus – die letzte und entscheidende Textsitzung für das neue Halbjahresprogramm Juli bis Dezember 2010. Wenn man so will „business as usual“, wie schon 44 mal seit 1988. Es wird wieder ein gutes Programm, das durch die Planungsarbeit der acht Fachbereiche zusammenkommt. Auf die Gruppe „meiner“ Akademiedozenten und deren Arbeit bin ich durchaus stolz.

Am Nachmittag dann die Sitzung des Kreisvorstands – um 17 Uhr, vor der Fraktionssitzung angesetzt, aber deren Mitglieder waren am gleichen Ort zu anderen Aufgaben. Die mangelnde Präsenz des Fraktionsvorstands im Kreisvorstand bleibt Ärgernis und Problem der mangelnden Verklammerung zwischen Partei und Ratsfraktion. In der Runde dann neben dem Dank an die Teams und die aktiven Ortsunionen auch durchaus harsche Kritik vor allem an der mangelhaften Werbelinie und Organisation der Landespartei, deren Kampagne einfach nur schlecht und nicht abgestimmt war. Das alles war 2005 deutlich besser. Vor allem aber die Analyse auf die Lage der Kreispartei: wir werden uns zusammen setzen und uns intensive Gedanken über Konsequenzen machen müssen.

Überraschung löste mein Erscheinen bei der Ausstellungseröffnung mit Arbeiten von Erhard Wilde im Kirchenfoyer aus. Ich bin nie ein reiner Polit-Apparatschik gewesen, der etwa wichtige Kunstereignisse nur nach öffentlicher Aufmerksamkeit besuchte. Herrn Wilde kenne ich seit vielen Jahren, weil er fast immer zu unseren Ausstellungseröffnungen ins FHH kommt. Sehr gute neue Arbeiten sind von ihm zu sehen.

Schließlich der Besuch bei der Geburtstagsfeier im Pumpenhaus, wo viele Gäste von weither zum 25. erschienen waren und den Intendanten, Mentor, „Trüffelschwein“ und was sonst noch lobend gesagt wurde, Ludger Schnieder würdigten. Eine kleine Szene mit viel pyromanischem Zauber von den Titanicks war der Höhepunkt. Thema war eine geordnete Brandschutzübung der Feuerwehr, die außer Kontrolle gerät … Wer die Inszenierungen dieses wunderbaren Straßentheaters von Uwe Köhler und seiner Truppe kennt, kann sich vorstellen, was dann los war; wer nicht, sollte alles daran setzen, einen der raren Aufführungstermine in Münster im Kalender zu blocken.

Zwischendurch natürlich immer wieder Mails, SMS, Telefonate zu dem alles beherrschenden Thema des Tages nach der Wahl. Wie wird es weiter gehen? Wer wird Fraktionsvorsitzender, welche Regierung kann gebildet werden? Alles ist offen; viele erhoffen sich gute Startpositionen schon für morgen früh.

Erschreckend ist die große Zahl an Kollegen, die es nicht mehr geschafft haben. Das reicht von Bernd Schulte aus Lüdenscheid über Walter Kern und Manfred Luckey bis zu Reiner Lux aus Bielefeld. Und da die Liste nicht ziehen wird, haben auch die Ministerinnen Müller-Piepenkötter und Sommer, dazu Frau van Dinther, Lothar Hegemann und viele andere keinen Parlamentssitz. Die OWL-Gruppe ist von 13 auf 6 zusammengeschmolzen! Wer weiß, was wird?
________________________________________________________________________________

Die Wähler haben entschieden! 

Sonntag, 9. Mai 2010

Nun ist es entschieden – und es ist fast ein Desaster; 10% Minus sind schon ein harter Brocken, auch wenn ich in meinem Wahlkreis nach einer Zitterpartie noch 40% der Erststimmen bekommen habe. Es ist uns offensichtlich nicht gelungen, unsere erfolgreiche Politik angemessen darzustellen. Die Kampagne war auch nicht dazu angetan, stringent eine klare Linie zu verfolgen und die Themen von uns aus zu setzen. Sicher, der politische Gegner hat auch keine Angriffsfläche geboten, indem er nicht angriff, sondern es auf einen großen, unpolitischen Kuschelwahlkampf anlegte. Und dazu gelang es Hannelore Kraft, wie es Dr. Burger in der FAZ formulierte, die alte große sozialdemokratische Erzählung vom solidarisch-gerechten Land unter linker Führung zu beleben.

Es hat sich vor allem eine alte Regel, vielleicht die einzige sichere in der Geschichte der Bundesrepublik bewahrheitet: die Partei, die im Bund regiert, hat es in den Ländern schwer, Wahlen zu gewinnen. Und es gilt auch nach wie vor: die SPD ist kampagnefähig. Es ist ihr gelungen, das sorgsam aufgebaute Bild Jürgen Rüttgers’ als „Johannes Rau secundus“ zu demontieren – wenn auch mit durchaus fragwürdigen Mitteln eines Schmutzwahlkampfs. Warum die SPD jetzt aber das Ergebnis ihrer gigantischen Materialschlacht als großen Sieg ausgibt, bleibt mir höchst schleierhaft. Sie hat erneut verloren und ist auf ihrem Abwärtsweg bei den Landtagswahlen seit 1985 (52,1%) bis heute immer tiefer geschlittert. Den neuen Wert von 34,5% hatte sie zuletzt 1954.

Eindeutiger Gewinner der Wahl sind die Grünen, die offensichtlich von Unzufriedenheiten im Mitte-rechten wie Mitte-linken Lager profitieren können. Sie haben sich nahezu verdoppelt und ziehen mit 24 statt zuletzt elf Abgeordneten in den Landtag ein. Wie unter den neuen Bedingungen eine Regierung aussehen kann, bleibt völlig offen; ich fürchte allerdings eine Rot-Grüne Koalition unter Tolerierung der Linken.

Zu denken geben muss das besonders starke Wegbrechen der CDU in ihren Hochburgen, wo sie fast immer über 10% verloren hat. Wir hatten oft genug davor gewarnt, immer nur auf sozialdemokratische Wähler zu schielen und die Stammwählerschaft zu wenig zu berücksichtigen. Das gilt auch für die Hofierung von Persönlichkeiten, die gerade nicht klassisch CDU-nah sind – mit dem Ergebnis, dass sie wie im Fall des DGB-Chefs Schneider doch, wenn es ernst wird, klar auf die Linie ihrer Herkunftspartei einschwenken. Das Prinzip, sich vor allem dort umzutun, hat sich bitter gerächt. Wir werden sehen, was jetzt wird.

Viele Liebe Glückwünsche errichten mich am Abend per SMS, Telefon oder E-Mail. Ich habe mich gefreut – vor allem weil der Krimi um die Erststimme erst spät entschieden war. Dann jedoch eindeutiger als gedacht, indem noch eine 4 die Zahl eröffnete. 

Und nun ist auch dieser Tag, auf den hin wir alle gefiebert hatten zu ende. Ich werde den vielen Helfern des Teams noch danken – besonders aber der „Kerntruppe“, die so intensiv und ausdauernd gearbeitet haben. Und auch der Familie sei gedankt: alle fünf Kinder und Angelika waren heute Abend dabei im Rathaus und im Marktcafé am Domplatz anschließend. Angelika schenkte mir, als das Wahlergebnis klar war ein Buch: die gesammelten Gedichte von Hilde Domin. Darüber und über die Grüße, Hilfe und Glückwünsche habe ich mich sehr gefreut.

Und es folgt der Dank an die Wählerinnen und Wähler bevor wir dann, wie es Ruprecht Polenz auch öffentlich angekündigt hat, einige schmerzhafte Lehren aus den Wahlen des vergangenen Jahres für einen Erneuerungsprozess der CDU in Münster ziehen müssen. Aufgaben gibt es viele für die kommenden Monate: packen wir sie an!
___________________________________________________________________________

Last Minute – der Tag vor der Wahl

Samstag, den 8. Mai 2010

Nun ist das Ende des Wahlkampfs da: die Materialien sind verteilt. Bis auf erkleckliche Mengen an Prospekten sind die „Merchandising-Artikel“ heute unter die Leute gebracht worden. Und natürlich die Rosen: insgesamt wurden heute mehr als 1.500 Rosen verteilt. Die Passanten sind es schon gewohnt, dass am letzten Tag vor der Wahl alle Parteien großzügig verteilen. Die Kenner sammeln sich an den Ständen und ergattern so viel eben geht; die meisten sind aber durchaus dankbar für den Kugelschreiber – auch wenn sie die anhängenden Prospekte im nächsten Mülleimer entsorgen.

Früh ging es wieder los – zusammen mit dem unermüdlichen Kaspar und Damian, der aus Bonn gekommen war. Nach unserem eigenen Markteinkauf Brötchen für die Truppe machen, vorbestelltes Gebäck für die Standbesatzungen abholen, letzte Ausrüstungen für die Wahlkampfautos. Und dann der Aufbau des großen Standes vor dem Bankhaus Lampe, heute neben einem von Donum Vitae, die traditionell zum Muttertag Öffentlichkeitsarbeit machen. Sogar eine Blaskapelle war heute engagiert. Martin Messer kam wieder aus Düsseldorf hinzu und wir teilten uns auf in eine Besatzung für das Lautsprecherauto, das durch die Wohnstraßen mit meiner Stimme auf band fuhr, eine Gruppe bei dem Rickfelder-Team am zentralen Stand und vier unterwegs mit Material, Gebäck und Rosen zu den Ständen der Südlichen Stadtteile. Mit dem Bulli ging es zum Ludgerikreisel, zum Geist-Markt, nach Berg Fidel, nach Hiltrup und Gremmendorf und wieder zurück zum Markt.

Freundliche Unterstützung auch dort: kostenloses Mittagessen am Stand für alle Helfer, Äpfel und Getränke zur Stärkung „damit das am Sonntag auch klappt“, wie wir immer wieder hörten. Am Nachmittag nach einer Kaffeepause bei uns nach Mecklenbeck, wo ein Maibaumaufstellen der örtlichen Vereine angesetzt war. Am Getränkestand, den die CDU Ortsunion betrieb, habe ich eine Stunde lang gekellnert – gar nicht schlecht als Methode, sich bekannt zu machen. Und immer wieder mit dem Bulli durch die Stadt als eine rollende Werbebotschaft zu Wahl.

Immer wieder konnten wir von den Helfern hören, die Stimmung sei heute merklich besser als noch vor zwei Wochen… Doch was will das schon sagen? Morgen Abend wissen wir mehr. Britta Rottbeck sprach bei der Fahrt davon, dass es kaum wissenschaftliche Untersuchungen über die Wirkung von Wahlkampfaktivitäten gebe. Sie und  Benjamin Laag, die ja beide Politikwissenschaftler sind, haben in den letzten Wochen einen – hoch engagierten und sicher auch anstrengenden - Feldversuch mitgemacht, der ihnen eine Lektion an Praxis vermittelt. Ich bin ihnen dafür zu größtem Dank verpflichtet.

Wie könnte man Wirkung messen? Vielleicht noch am ehesten an der Zahl der Kontakte, die es auf den verschiedenen Wegen gegeben hat. Was hat in den letzten Wochen am ehesten gewirkt? Waren es die Pressemeldungen, die Podiumsdiskussionen, die Mailings, die Werbelinie der Plakate und Flyer, das Internet oder der Kontakt auf der Straße – oder doch eher die diffusen, allgemeinen politischen Stimmungen und die punktgenau aufgebauschten Skandälchen? – Ich weiß es nicht, danke meinem Team für die vergangenen Wochen und bin vielleicht nach der Analyse des Ergebnisses morgen Abend etwas klüger.

________________________________________________________________________________

Straßenwahlkampf: Rosen und das Fernsehen

Freitag, den 7. Mai 2010

Die letzten Tage stehen ganz im Zeichen der Präsenz auf der Straße. Da ist kein Platz mehr für differenzierte Presserklärungen, für Podiumsdiskussionen oder Besuche. Jetzt geht es darum, möglichst vielen Wählern persönlich zu begegnen und um deren Stimme zu bitten. Jetzt werden auch bei uns die Werbeartikel zuhauf ausgegeben, die man vordem noch streng rationierte. Wir haben die Materialschlacht der SPD nicht mitgemacht; wir haben keine Kochlöffel, Rezepthefte, Müsliriegel und Lakritzschnecken verteilt als ginge es um Kulinarik am 9. Mai. Aber Kugelschreiber, Einkaufschips, Notizblocks und Buntstifte für die Kinder haben wir auch dabei. In Roxel, in der Aaseestadt und im Südviertel teilten wir sie zusammen mit Informationsblättern aus.

Heute kamen Rosen hinzu. Mit zwei engagierten Mitgliedern der Ortsunion Gremmendorf, Frau Möcklinghoff und Frau Ellerkamp, bin ich mehrere Stunden durch die Geschäfte und Straßen des Vororts gezogen. Die Reaktion auf meine Vorstellung mit einer Rose bei den Frauen hatte fast immer eine erstaunliche Wirkung: ein sehr freundlich-überraschtes „Danke“, wobei sich die zuvor oft mürrischen Gesichter merklich aufhellten. Es scheint doch eine tief verwurzelte Freude zu sein, wenn ‚Mann’ einer Dame eine Rose überreicht. Vielleicht kann man auch die Werbebotschaft für eine politische Wahl gut „sub rosa“ überbringen, obwohl das Sprichwort eigentlich die Vertraulichkeit eines Gespräches symbolisieren soll. 

In Gremmendorf trafen wir am Nachmittag auf einen Reporter des WDR-Radios, der noch einige O-Töne des Wahlkampfendspurts einfangen wollte. Ihm erzählte ich etwas von meiner Verärgerung über eine Moderation vom Mittwoch. Um halb sieben hörte ich im WDR 2 einen Hinweis auf die hohe Briefwahlfrequenz in Münster, wo man zwischen Markt und Rathaus seine Stimme vorab abgeben kann. Dann hieß es in vorgegebener Lustigkeit, das sei doch praktisch, so könne man auf dem Markt Gurken kaufen und anschließend die politischen Gurken wählen. – Ich wäre einmal interessiert, was wohl geschähe, wenn ich Journalisten als „Gurken“ bezeichnete!

Die Medien waren heute besonders wichtig. Das ZDF übertrug in seinem Mittagsmagazin die Aufzeichnung beim Berliner-Backen auf der Hammer Straße, wo ich mit einer Studentin über Bildungspolitik gesprochen habe. Es ist eine sehr gute Szene geworden, über deren seriöse Form ich mich wirklich freue. (Ein Link ist auf meinerWebsite.) Anders war mein Auftauchen im WDR-Fernsehen in der Sendung west-art am Dienstag, wo von einem gut zehn minütigen Interview nur ein Satz in einem geckig-albernen Unfug zur Kulturpolitik der Parteien übrig blieb. Mit der Orientierung an den Albernheiten der Populärmedien und der krampfhaften Fixierung auf das, was man für Quote hält, wird man auch noch die letzten Zuschauer verschrecken.

Schließlich ein Interview mit einem Fernsehteam des lokalen Fernsehens open.web.tv. In einer ruhigen Form gibt man mir sieben einhalb Minuten Zeit, einige Gedanken auch zu entwickeln und ruhig zu sprechen. (Als Film auf meiner WebSite zu finden.) Ich gebe zu, dass so etwas sicher nicht in den Großmedien möglich ist, aber sachangemessener ist es schon und ich finde mich dort viel eher wieder als in dem Gekasper von west-art, die mit meinen kulturpolitischen Kollegen ebenso umgesprungen sind.

Am späteren Abend dann (wunderschöne!) Rosen für den morgigen Tag abgeholt und Anbindestreifen hierfür gestaltet und zugeschnitten. „Morgen: Kompetenz wählen“ steht darauf – ein Aufruf für den letzten Tag des Wahlkampfs.

________________________________________________________________________________

Bahnhof und Ehrenamt in Hiltrup – Hausbesuche in Berg Fidel

Donnerstag, den 6. Mai 2010

Der Morgen begann mit einer kurzen Pressekonferenz in Hiltrup, um dort das Vorziehen der Renovierung der Bahnstation bekannt zu geben. Mit knapp vier Millionen € werden spätestens 2013 die Bahnsteige erhöht, der Zugang erleichtert, die Beleuchtung optimiert. Für die täglich zwei einhalb tausend Fahrgäste dort eine wichtige Nachricht. Mit keinem Verkehrsmittel kann an die Innenstadt von Münster so rasch erreichen wie in den fünf Minuten der Bahnfahrt.

In der Bücherei von Hiltrup, die seit 28 Jahren ein Modellprojekt für eine gelungene Kooperation zwischen Stadtbücherei und Pfarrbücherei ist, fand ich ein volles Haus. Eine Kindergartengruppe war da, Ausleihen wie an jedem der sechs Werktage, Sortierarbeiten … . Die 40 ehrenamtlichen Frauen und Männer, die mit der einen hauptamtlichen Mitarbeiterin zusammenarbeiten, machen eine sehr gute, keineswegs auf Hilfsdienste beschränkte Arbeit in der Bücherei.

Ein Gespräch mit einer von ihnen, zeigte wieder einmal die Notwendigkeit und die Desiderate dessen, was man heute zumeist „bürgerschaftliches Engagement“ nennt. Da geht es sicher auch um die Einführung kostenloser Fortbildungsangebote, von Freibeträgen und Erstattungen – aber vor allem um eine Kultur der Anerkennung dessen, was dort geleistet wird.

Der alte Name „Ehrenamt“ macht deutlich worum es geht: Wir haben heute Schwierigkeiten mit dem schillernden Begriff „Ehre“, aber er zeigt, dass es bei diesen Tätigkeiten eben nicht um die „Honorierung“ mit Geld, sondern – auch - durch die öffentliche Wertschätzung geht. Warum gilt aber bei uns oft eher das Gegenteil, dass man nämlich eine Tätigkeit umso höher schätzt, je mehr Geld dafür gezahlt wird? Der wachsenden Bedeutung ehrenamtlicher Tätigkeiten wird die Gesellschaft auch mit einer Wiederentdeckung von deren hoher Wertschätzung   entsprechen müssen.

Dann am regnerischen, kalten Nachmittag Besuche, die man „Canvassing“ nennt, an den Haustüren im Stadtteil Berg Fidel. Es erstaunt mich immer wieder, wie freundlich man fast überall aufgenommen wird. Ich habe etwas Hemmungen, die Leute zu stören, nur um ihnen meine Karte, einen Prospekt und einen Kugelschreiber zu überreichen; aber sehr Viele freuen sich darüber, dass ich mit meinen unermüdlichen Mitarbeitern an der Tür stehe und eine guten Tag wünsche.

Eiskaltes Wetter und Regen ließen uns dankbar eine Kaffeeeinladung bei der Familie eines Künstlers, den ich gut kenne, annehmen. Aufgewärmt starteten wir in eine zweite Runde, um schließlich zu dritt, Britta Rottbeck, Benjamin Laag und ich, in einem Lokal die Tagesaktion, unbehelligt von schlechten Prognosen, wie sie uns momentan erreichen, in ruhigen Gesprächen zu beschließen. 

________________________________________________________________________________

Business, Berliner, Burg und Brezeln – und ein Plastikteil

Mittwoch, den 5. Mai 2010

Der lange Tag begann mit einem Business Breakfast der Wirtschaftsförderung in der NRW Bank mit etwa 300 Gästen. Vorstandmitglied Neuhaus ging in seinem Vortrag auch auf das Bankprodukt „Studienbeitragdarlehen“ ein und zeigt noch einmal auf, wie sozial überlegt unser Beitragsgesetz ist. Gleich im Anschluss daran konnte ich am Bahnhof meinen Parlaments-Mitarbeiter Martin Messer abholen, der aus Düsseldorf angereist war, um uns auch vor Ort im Wahlkampf zu unterstützen.

Die Aktion auf der Hammer-Straße unter dem Motto „Sternberg kriegt’s gebacken“ hatte etwas von einem Deja Vue. Genau wie 2005 gab es erst eine Mitgliederehrung im Cafè und dann, gemeinsam mit Mitgliedern der Ortsunionen ein Berlinerbacken auf der Straße zugunsten der St. Josefs Pfarrei. War damals der WDR dabei, war es diesmal das ZDF, die am Freitag einen Beitrag über Straßenwahlkampf in NRW bringen. Angenehme Begegnung dabei: ein aufgeweckter, sympathischer Konditorlehrling, der kurz vor seiner Gesellenprüfung steht und danach in die Schweiz in ein Hotel als Patissier gehen wird. Arbeitsplatzsorgen hat er nicht; Leute wie er werden überall gesucht.

Der Höhepunkt des Tages war fraglos der Termin mit dem Ministerpräsidenten in der Burg Hülshoff, wo die Gräfin Droste zu Hülshoff nun öffentlich ihre Bereitschaft bekundet hat, ihr Erbe in eine öffentliche Stiftung unter Führung des Landes einzubringen, die Dr. Rüttgers in Umrissen erläuterte. Ich freue mich wie ein Kind an Weihnachten, wenn solch eine Sache gelingt. Wir konnten heute einen Riesenschritt machen zu einem angemessenen Museum, einer Forschungsstelle und einem Archiv für die Drosterezeption.

Der Ministerpräsident hielt dann bei strahlendem Wetter eine Rede am Stadthaus. Etwa 1000 Menschen waren da; die Kandidaten des Münsterlandes auf der Bühne und  viele Mitglieder des Teams, die mit ihren Mannschaftsbussen angereist waren; ein imposantes Bild. Eine kleine Begebenheit am Rande: eine Dame mittleren Alters kam mit dem Fahrrad auf mich zu, stieg ab, begrüßte mich und meinte, sie wolle mir, da sie mich sehe, nur einmal danke sagen für das, was ich für Münster und für das Land tue. Ich war völlig perplex – und für viele scharfe, ablehnende und abwehrende Reaktionen mehr als entschädigt.

Gleich danach ging es zu dem Verein für Hilfen für Haftentlassene „Chance e. V.“, wo Josef Rickfelder und ich die Spendengelder vom 1. Mai abgaben. Der Leiter, Herr Wick, erläuterte uns die sehr wichtige Arbeit mit und für die „Knackis“ nach ihrer Freilassung. Jeder Gefangene, der in ein geregeltes, berufliches Leben findet, ist ein Gewinn für die ganze Gesellschaft.

Und am Abend dann  die Verteilaktion im Kuhviertel, einem der bekanntesten Kneipenviertel der Stadt. Es machte Spaß mit den zum Teil allerdings bereits alkoholisierten jungen Leuten zu diskutieren. Wir trafen eine ganze Reihe von Menschen an, die fragten, warum sie denn nun mich wählen sollten und sich wirklich offen zeigten. Ein voller Erfolg war diese Aktion, an der besonders viele aus dem Team teilnahmen. 

Und doch war trotz des langen Tages ein anderes Detail vielleicht das am stärksten Nachwirkende: Christoph Feder, der Designer in unserem Helferteam gab mir am Morgen ein Kunststoffteil, das er mit gleichen zu einer Kette zusammengeklickt hatte. Er hatte mir schon früher erzählt von der, mir bislang unbekannten Methode des 3D-Drucks in der Methode des  Rapid-Prototypings.

Seit einigen Jahren gibt es Drucker, die auf der Basis von Computerdaten aus einer Vielzahl von dünnen, durch Laser verschmolzenen Kunststoffstaubschichten eine dreidimensionale Form auf. Solches Thermoplastik wird erhitzt und heiß aufgetragen. Inzwischen gibt es erste Versuche auch mit Glasgefäßen aus dem 3D-Drucker aus USA. In Aachen, bei uns in NRW also, haben Forscher am Fraunhofer Institut für Lasertechnik gezeigt, dass man auch hoch beanspruchte Turbinenteile aus dem Flugzeugbau aus Metallstaub im 3D-Druckverfahrenb aufgebaut werden können.

Was für eine Zukunft tut sich da auf! Was wird das für eine Reihe von Produkten bedeuten, die ohne Produktion und Handel auskommen werden. Was wird das für Länder mit einer schwachen Infrastruktur bedeuten? Kommt damit der Gestalter unmittelbar zum Nutzer? Was bedeutet es für unsere heutigen Arbeitsplätze wenn sich diese Technik perfektioniert und stärker durchsetzt? Und wie schrecklich wird es für unsere Arbeitsplätze werden, wenn wir eine solche Technik nicht hier weiter entwickeln und perfektionieren? – Für mich war das kleine, unscheinbare Teil aus weißem Plastik ein Blick in die Zukunft.

________________________________________________________________________________

Die SPD und ihre Einheitsschulpläne

Dienstag, den 4. Mai 2010

Das ist schon sehr, sehr dreist: da wettert Frau Schäfer, Ex-Schulministerin der SPD in einer Pressekonferenz heute gegen die Landesregierung, die Regierung Rüttgers habe drei Wahlversprechen gebrochen, wie es keine kleineren Klassen, mehr als fünf Millionen ausfallende Unterrichtsstunden und tausende fehlender Lehrkräfte gebe. Da stock einem der Atem. In den letzten fünf Jahren wurde die Lehrer-Schüler-Relation deutlich verbessert: auf einen Lehrer kommen heute zwei Schüler weniger; der Unterrichtsausfall ist weniger als halb so groß wie 2005 und Lehrer fehlen höchstens, weil es keine Bewerber auf freie Stellen gibt.

Das alles hängt schlicht mit Geld und mit Prioritätensetzungen zusammen: Frau Schäfer hatte wegen der rückläufigen Schülerzahlen in den folgenden Jahren 16.000 Lehrerstellen mit einem kw-Vermerk („künftig wegfallend“) versehen, weil die ja nicht mehr gebraucht würden. Wir haben dann nicht nur diese Vermerke aufgehoben, sondern zusätzlich 8.124 Lehrer und Lehrerinnen zusätzlich eingestellt. Für Münster habe ich für die Zeit von 31. 12. 2005 bis 1. 4. 2009 313 Lehrer mehr nachweisen können. Dass diese Zahl von neuen Lehrern den Unterrichtsausfall senkt, die Relation verbessert und den Lehrermangel behebt, liegt auf der Hand.

Zu Rettung der schulpolitischen Debatte nach der völlig verfehlten Formulierung im Wahlprogramm der SPD, worin eindeutig zu lesen ist, dass die sofortige Einführung der kooperativen oder integrativen Gesamtschule nach einen sechsjährigen Grundschule vorgesehen ist, werden verschleiernde Formulierungen erfunden und zur Ablenkung auf den Gegner eingedroschen. Die Menschen wollen keine generelle Schulformumstellung und sie wollen keine Einheitsschule. Das zeigen alle Untersuchungen und Befragungen. In dieser Situation kann auch die kampferprobte Frau Schäfer ihren Damen vor Ort nicht anders helfen als mit unverschämten Behauptungen.

Aber das Karo der Debatte wird ohnehin immer gröber. Die SPD hat einen Ton angeschlagen, der völlig inakzeptabel ist und wohl nur aus dem Ärger entstanden sein kann, dass die Menschen nach unserer Schulkampagne genauer nachfragen, welchen uraltideologischen Umbau des Schulsystems die SPD plant. Ein Lothar Esser versteigt sich in einem Artikel für das Werbeblättchen seiner Partei über die Schulreform zu Angriffen gegen mich, die auf ihn selbst zurückfallen. Und obwohl er mich der Lüge bezichtigt, bleibt es trotzdem richtig: im Parteiprogramm von SPD und Linkspartei steht deutlich zu lesen, dass sie eine Gemeinschaftsschule sofort durchsetzen wollen. Elternwille soll dabei für die SPD nur für die Frage gelten, ob die Gesamtschule integrativ oder kooperativ sein soll.

Über zwei Reaktion, wenn es denn so kommen sollte, bin ich mir sicher: es würde ein großes Bürgerbegehren in Erinnerung an die siebziger Jahre geben und es käme zu einer Fülle von Privatschulgründungen. Auch darum geht es am Sonntag – zumindest für die noch knapp 180.000 Wahlberechtigten in Münster nachdem über 40.000 bereits gewählt haben…

________________________________________________________________________________

Ein abwechslungsreicher Tag - Beiratssitzung der JVA Münster & Ruhrfestspiele

Montag, den 3. Mai

Heute war die letzte Sitzung des Beirats der Justizvollzugsanstalt (JVA) Münster. Solche Beiräte gibt es an allen JVAs in Nordrhein-Westfalen. Sie sind Ansprechpartner für die Gefangenen bei Beschwerden über die Haftbedingungen und sollen die Verbindung der Anliegen der Anstalten in die Gesellschaft sicherstellen. Die Periode des Beirats ist an der Wahlperiode des Landtags orientiert; deshalb war heute der letzte der monatlichen Termine. 
Ich mag diese Sitzungen deshalb besonders gern, nicht weil dort so vieles zu verhandeln wäre, sondern, weil man dort lernt. Man lernt einen Bereich des gesellschaftlichen Lebens kennen, der normalerweise außerhalb der Wahrnehmung liegt. Wer sind die Gefangenen, woher kommen sie, wie sind ihre Lebensumstände, wie werden sie nach ihrer Haftzeit wieder integriert? Alles das sind Fragen, die sich im Laufe der Sitzungen stellen.
Für die Massenmedien sind allerdings nur die Seiten interessant, die Ansätze für Skandalisierungen bieten können. So war bei einem gelungenen Ausbruch vor einiger Zeit nur die Frage wichtig, ob man irgendwelche politischen Versäumnisse nachweisen könnte, mit denen man der verdienten und korrekten Justizministerin Müller-Piepenkötter „am Zeug flicken“ könnte. Da sie als angeschossen galt, war es die spannendste Aufgabe für einen „investigativen“ Journalisten, beizutragen eine Ministerin zur Strecke zu  bringen – was glücklicherweise nicht gelang. Im Grunde ist diese Art von Journalismus nur widerlich und führt zu Politikverdrossenheit und der Pflege von Vorurteilen.
In Münster jedenfalls wird gute Arbeit geleistet – weder im Sinne eines „Verwöhnvollzugs“ noch mit unangemessener Härte. Das bestätigen sogar die Gefangenenvertreter, mit denen es von Zeit zu Zeit Gespräche ohne die Anstaltsleitung gibt. Leider ist unser alter, denkmalwürdiger Knast baufällig und wird in den nächsten Jahren ersetzt werden müssen. Es handelt sich mit dem von Berlin-Moabit um den Ursprungsbau der so oft kopierten sternförmigen Anlagen in Stil der Backsteinneoromanik, dessen Zeichnung noch vom preußischen Bauminister Schinkel korrigiert wurde.
Am Abend sind wir ins Festspielhaus nach Recklinghausen zur Eröffnung der Ruhrfestspiele gefahren. Das Stück, eine Rekonstruktion des Fragments „Robert Guiskard“ unter Einbeziehung der Figur des Autors Heinrich von Kleist, war nicht schlecht, aber ich merke, dass ich mich zur Zeit kaum auf solch intensiven und langsamen Erfahrungen einlassen kann, weil der Druck des 9. Mai durchaus immer präsent bleibt.
Ich habe zu den Ruhrfestspielen eine sentimentale Beziehung, denn dort habe ich meine ersten größeren Theatererfahrungen gemacht. Mit dem „Theaterjugendring“ des Kreises Olpe haben wir 1968 bis 1970 Seminare gemacht, die in eine Busfahrt nach Recklinghausen mündeten. Als 16-jähriger Bäckergeselle habe ich damals den Reiz des Theaters und der Literatur entdeckt. Unter anderem wurde durch eine Aufführung von „Die chinesische Mauer“ meine Begeisterung für Max Frisch geweckt, von dem ich danach alles gelesen habe, was ich in die Finger bekam oder neu erschien. Solche lang wirkenden Impulse werden auch heute gesetzt - und nicht zuletzt deshalb lohnt sich in Schule und Jugendarbeit das Engagement für das Theater.

________________________________________________________________________________

Nachtrag - Gedanken zum "Tag der Arbeit"

Sonntag, den 2. Mai 2010

Ein Nachtrag zum gestrigen „Tag der Arbeit“ und seinen Demonstrationszügen: Der DGB-Münster hatte einen Zug über den Hansaring bis zur Kundgebung im Rathausinnenhof organisiert. Große Fahnen, muntere Musik an der Spitze,  gute Stimmung – aber recht wenige Teilnehmer. Ich bin darüber keineswegs schadenfroh, denn die Schwäche der Gewerkschaften, die ihre Mitgliederzahlen seit dem Höchststand von 1991 fast halbiert hatten, ist keineswegs positiv zu werten. Bernhard Vogel, der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, sagte einmal auf die Frage, was ihn im Blick auf die Gesellschaft in Deutschland besonders beunruhige, dass die Gewerkschaften so schwach würden.

Inzwischen scheint sich die Mitgliederentwicklung wieder zu stabilisieren; die Zahl liegt jetzt bei etwa 6, 2 Millionen. Die Gewerkschaften haben wesentlichen Anteil an dem sozialen Ausgleich, der die Geschichte der Bundesrepublik bestimmt hat. Als Tarifpartner sind sie die Zuständigen für die Lohnfindung. Es ist ein nicht hinnehmbarer Skandal, dass gelegentlich Löhne gezahlt werden, die kaum die Höhe der Sozialhilfe erreichen. Ich habe mich auf der Podiumsdiskussion des DGB am 12. April für einen Mindestlohn ausgesprochen. Allerdings nicht für einen, den der Gesetzgeber festlegt, sondern den die dafür Zuständigen erarbeiten. Die Festlegung durch die Politik halte ich für einen ordnungspolitischen Fehler; es ist nicht Sache der Politik die Beträge festzusetzen.

Karl-Josef Laumann, unser Arbeits- und Sozialminister hat einen sehr guten Weg gefunden, um die Geltung der Lohnfindung der Tarifpartner angesichts eines internationalisierten Arbeitsmarkts zu sichern. Durch die Aufnahme in den Branchen-Katalog des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes werden die gefundenen Beträge allgemein verbindlich erklärt.  Von der Gebäudereinigung bis zum Elektrohandwerk gelten heute in Deutschland Mindestlöhne, deren Höhe aber nicht die Politik festgelegt hat.

Unser Freund Dr. Hans Reckers wurde Anfang der 90er Jahre einmal am Rande von Beratungen zur Neuordnung Russland nach dem Zusammenbruch der UdSSR von seinen Gesprächspartnern am Abend vertraulich gefragt, wer denn nun wirklich in Deutschland die Löhne festsetze, das könnte doch nicht außerhalb der Politik geschehen. Die Eigenständigkeit unserer Arbeitswelt war kaum vermittelbar. Es handelt sich um ein hohes Gut, das man nicht leichtfertig aufgeben darf.

Und am Abend des ersten Mai hörte man wieder von den schon gewohnten Krawallen in Hamburg und Berlin. In Hamburg nannte sich der Zug der linken Gruppierungen "Revolutionäre 1. Mai Demonstration: Kapitalismus zerschlagen!" und in Berlin war es eine „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration gegen Kapitalismus und soziale Verdrängung“. Trotz geringerer Zahlen als im vergangene  Jahr wurden in Berlin fast 500 Menschen festgenommen und 98 Polizeibeamte zum Teil schwer verletzt.

Wie lange wollen sich Medien und öffentliche Meinung eigentlich noch auf die rechte Gewalt fixieren und den Linksextremismus bagatellisieren. Es muss um einen Kampf gegen Radikalismus von Rechts wie von Links gehen! Und auch die nach wie vor mit guten Gründen vom Verfassungsschutz beobachtete Linkspartei liefert Unterstützung für die Szene der neuen Autonomen. In ihr Programm nahm die Jugendorganisation der Linken „Solid“ im vergangenen Jahr ihre Vorstellung von Parlamentarismus auf: „Wir wollen die Bühne des Parlamentarismus für den Kampf um eine gerechtere Welt nutzen, aber uns nicht der Illusion hingeben, dass dort der zentrale Raum für reale Veränderungen sei. Gesellschaftliche Veränderungen finden schwerpunktmäßig außerhalb der Parlamente statt.“ Alle Demokraten müssen sich gegen solche Demontage der Demokratie wehren. 

________________________________________________________________________________

Vertriebene und ihre Einrichtungen in Münster

Samstag, den 1. Mai 2010

Der Maifeiertag begann mit einem Besuch in Hiltrup, wo eine Jubiläumsfeier der Glatzer mit über 500 angemeldeten Gästen angekündigt war. Es galt 200 Jahre Amt und Titel eines „Großdechanten“ und 60 Jahre „Grafschafter Bote“ zu feiern. Vertriebene und ihre Nachkommen machen einen bedeutenden Teil der Münsteraner Bevölkerung aus und ihr Zusammenhalt nicht zuletzt auf der kirchlichen Ebene ist nach wie vor sehr intensiv. Ich erinnere mich gut an eine sehr stark besuchte Feier im Erbdrostenhof, wo gegen Ende anrührend das Lied der „Glatzer Rose“ auf der Trompete intoniert wurde.

Was ist die Grafschaft Glatz? Sie gehörte Jahrhunderte lang zu Böhmen und kirchlich zum Erzbistum Prag bis sie 1763 von den Preußen annektiert wurde. Diese versuchten das Verbindungsland zwischen Böhmen, Mähren und Schlesien aus der Prager Diözese zu lösen und schufen Amt und Titel eines „Großdechanten“, den sie auch selbst ernannten. Der Plan gelang nicht, führte aber dazu, dass nun Prag den Großdechanten ernannte. Die Bezeichnung blieb ein Kuriosum, das es weltweit nur einmal gibt.

Die Zeitschrift der Glatzer und ihrer Nachkommen ist der „Grafschafter Bote“, die auflagenstärkste schlesische Heimatzeitung. Das Blatt erreiche seit 1950 über 20.000 Menschen und werde in aller Welt gelesen. Man zehre von den Fragen und dem Interesse der Nachgeborenen. Zur Zeit ist ein Thema die Seligsprechung des 1907 in Glatz geborenen und 1942 im KZ Dachau umgebrachten Geistlichen Gerhard Hirschfelder. 

In der Kirche gab es einen Gottesdienst unter Leitung des verdienten Erzbischofs und Ehrendoktors der WWU Alfons Nossol aus Oppeln, der für die Verständigung zwischen Deutschen und Polen so viel geleistet hat. Ich traf ihn und konnte ihm gratulieren zu dem zweisprachige Gebetbuch seiner Diözese, das ich vor anderthalb Jahren beim dortigen Kongress der Liturgiewissenschaftler kennen lernen konnte.

Deutsch-polnische Verständigung ist auch die Aufgabe des Westpreußischen Landesmuseums, das wir auf unserer schönen Maitour mit den, durch CDU-Wimpel geschmückten Fahrrädern besucht haben. Mit über 20 Rädern sind wir durch den herrlichen Sonnenschein durch meinen Wahlkreis gefahren. Im Wolbecker Drostenhof, einem 450 Jahre alter Bau, ist die Einrichtung untergebracht, die sich der Tradition des alten deutsch-polnischen und zwischen 1772 und 1945 preußischen Gebiets beiderseits der Weichsel widmet.

Die Zeit der „Heimatstuben“ für die Bewahrung der Kultur der Erlebnisgeneration, durch § 96 Bundesvertriebenengesetz als Aufgabe des Staates festgelegt, geht ihrem Ende zu. Die Häuser müssen sich nun als „außerschulische Lernorte“ für junge Menschen profilieren, die sich dort mit den Themen Flucht, Vertreibung und ehemalige deutsche Ostgebiete exemplarisch auseinandersetzen können.

Finanziell und bald auch baulich haben wir in den vergangnen Jahren die Einrichtung in dem schönen Wolbecker Haus sichern können. Der letzte Baustein war eine Landesbeteiligung an der Förderung von zusätzlich 40.000 € im Jahr, die wir im letzten Jahr mit einem Parlamentsantrag sicher stellen konnten. Nun kommt es auf das Haus an, seine Präsentation und Pädagogik anzupassen, ohne seine enge Kooperation mit polnischen Einrichtungen und seiner Außenstelle in Krockow/Pl zu vernachlässigen.

Die Erinnerung an Geschichte und Kultur der ehemaligen deutschen Ostgebiete bleibt eine nicht unwichtige Aufgabe auch für die folgenden Generationen, sollen Namen wie der des Schlesiers Eichendorff oder des Danzigers Grass nicht einmal ortlos vergessen werden.

Der schöne Reisetag am ersten Mai hatte eine Fülle weiterer Erlebnisse zu bieten – nicht zuletzt den liebevoll und großzügig ausgerichteten Abschluss der CDU-Mai-Touren bei Klaus Bleckmann im Hof bei frischem Kuchen und Gebäck, Kaffe und Getränken, dem dafür und für seine stets herzliche Freundlichkeit sehr zu danken ist. 

________________________________________________________________________________

Ein intensiver Wahlkampftag - Ministerbesuche, Sternberg kriegt´s gebacken, Rosen verteilen ...

Freitag, den 30. April 2010

Am Morgen gab es eine Aktion auf den Hiltruper Wochenmarkt: gegenüber von einem Stand der SPD verteilte ich mit der Senioren-Union zusammen 200 Rosen, die ich zuvor bei Rosen-Pohlmeyer gekauft hatte. Sie wurden zusammen mit Informationsmaterial zumeist dankbar angenommen. Gegenüber verteilte Frau Schulze in ihrer schon üblichen Konzentration auf’s Essen Rezepthefte und Pfannenwender mit der Aufschrift „damit nichts schwarz wird“ – man könnte den schlichten Spruch auch umwandeln in „damit nichts rot bleibt“ … . Nun ja, jedenfalls gab es Wahlkampf, Akademiearbeit zwischendurch wie immer.

Dann am Mittag ein Termin mit der jungen Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, die ich aus Enquète-Tagen noch kenne, wo sie stellvertretendes Mitglied war. Wir besuchten eine Kindertagesstätte des Studentenwerks in Nachbarschaft einiger Wohnheime; ein architektonisch, ökologisch und funktional außerordentlich gelungener Bau. Frau Schröder schlug gleich den richtigen Ton an als sie auf das Thema der erziehenden Studierenden einging und die Frage stellte, wie wir es ermöglichen können, dass Studentinnen nicht mit der Geburt von Kindern so lange warten bis der optimale und vielleicht einzige Termin verpasst ist oder zumindest an eine größere Kinderzahl nicht mehr zu denken ist.

Das wird zu einer Frage auch der Wissenschaftspolitik, denn wir werden auch intelligente Lösungen suchen müssen, wie man Regelstudienzeiten erweitert für Erziehende. Bei den Studienbeiträgen haben wir diese Gruppe bereits per Gesetz ausgenommen. Auch für die Hochschulen wird das zu einer wichtigen Frage. Wie groß war das Erstaunen bei dem Exzellenzwettbewerb, als man feststellte, dass die Frage der Familiengerechtigkeit der Studien-, Forschungs- und Lehrbedingungen eine wichtige Größe im Verfahren waren. Das hatte man bislang mit der linken Hand behandelt. Heute wist das eine zentrale Frage des Wettstreits um die besten Köpfe unter Studierenden und Lehrenden.

Wenig später brachte uns dann eine Stau im Ruhrgebiet aus allen Zeitkonzepten: Minister Armin Laschet kam mit einer geschlagenen Stunde Verspätung an der neuen Moschee der DITIB an und das hatte natürlich auch eine Verspätung bei den christlichen Eine-Welt-Gruppen zur Folge. Dennoch waren es wichtige Termine, von denen die Presse natürlich besonders gern die Moschee wahrnahm, weil man sich dort einen gewissen Kitzel angesichts der aktuellen niedersächsischen Unstimmigkeiten erwartete. Es wurde aber sehr offen und freundschaftlich und wir bekamen einen Einblick in den schönen, neuen Gebetsraum, der am 30. Mai eröffnet werden wird.

Wiederum viel zu spät kam ich dann zu meinem schönsten Termin dieser Woche, bei dem es allerdings ausnahmsweise auch einmal um’s Essen ging: dem öffentliche Backen auf der Scharnhorststraße, wo ich unter Motto „Sternberg kriegt’s gebacken“, perfekt vorbereitet von Klaus Bleckmann, Laugenbrezeln abbacken durfte. Solche Reminiszenzen an meinen alten, lieben Beruf mache ich besonders gern.

________________________________________________________________________________

Die gute deutsch-niederländische Nachbarschaft und der Koniginnendag

Donnerstag, den 29. April 2010

Ein wiederkehrender, auf den ersten Blick vielleicht etwas pittoresk erscheinender Termin: „Koniginnendag“ im Festsaal des Rathauses. In den Niederlanden ist der Geburtstag der Mutter der seit heute genau dreißig Jahre amtierenden Königin Beatrix, Königin Juliana, Nationalfeiertag. Im vergangenen Jahr wurden alle Feierlichkeiten abgesagt, weil ein Attentat auf die Königin in Apeldoorn mit vier Toten und 13 Verletzten den Tag überschattete. Zum niederländischen Nationalfeiertag gehören Feiern und Ehrungen der Königin im „Oranje“ der Herrscherfamilie.

In Münster lädt der Honorarkonsul des Königreichs Dr. Eduard Hüffer traditionell mit seiner Frau zu einem Empfang am Vorabend in das Rathaus ein. Auch hier sind die Gäste vielfach mit orangefarbenen Krawatten zu sehen, der Blumenschmuck ist in Orange und Wimpel in der Farbe sind aufgesteckt. Nach der Begrüßung durch Dr. Hüffer folgt ein Vortrag, worauf ein Toast auf die Königin und abschließend der Ausruf eines „hipp, hipp, hurra“ folgt. Mit Getränken, Matjeshäppchen und den typischen „Bitterballen“, den typisch holländischen runden Fleischkroketten, schließt der Stehempfang mit Gesprächen.

Als Gäste sind wie in jedem Jahr eine Reihe von Offiziellen der Stadt, der Politik, des Militärs, der Wissenschaft, der Presse und der Wirtschaft da. In diesem Jahr drehte das niederländische Fernsehen für einen Beitrag. Wichtig ist dieser Termin, weil die Beziehungen zwischen den Niederlanden und Münster eng sind und ein Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt sind. Das Königreich wurde im Mai 1648 in Münster vor dem Abschluss des Westfälischen als niederländisch-spanischer Separatfrieden geschlossen. Diese Erinnerung hat sich bis heute in besonders engen Bindungen des Landes zu Münster gezeigt.

Die guten Beziehungen sind für die Stadt von größter Wichtigkeit. Und die Stadt zeigt sich auch der Tradition und der gegenwärtigen Chancen bewusst: vor etlichen Jahren wurde das historische „Krameramtshaus“ nach dem Auszug der der Stadtbücherei zum Niederlande-Zentrum der Universität, das somit in die Mitte Münsters rückte. Seitdem gibt es dort Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und natürlich Forschungen zu Themen und mit Menschen aus dem Nachbarland.

Der Leiter dieses Instituts, Prof. Dr. Friso Wielenga, hielt heute den Vortrag, eine knappe und sehr informative Darstellung des politischen Systems sechs Wochen vor der Wahl. Das in Deutschland notorisch unterschätzte Nachbarland mit seiner hohen Wirtschaftskraft verdient genauere Beachtung, weil sich hier einige Veränderungen der Parteienlandschaft und der Wählerpräferenz zeigen, die bei uns vielleicht noch bevor stehen. Die Bedeutung der früher großen Parteien und ihrer treuen Stammwähler hat erheblich abgenommen zugunsten eines unkalkulierbaren und oft nur auf Stimmungen gestützten Wahlverhaltens. Dabei ist in den vergangenen Jahren der Rechtspopulist Geert Wilders auf Prozentsätze bis zu 20% gekommen.

Einer der Gründe für die Veränderungen ist die Auflösung des typisch niederländischen Modells der „Versäulung (Verzuiling)“ der Gesellschaft. Jede Gruppe, Protestanten und Katholiken, Sozialisten und Unkirchliche hatten eigene Infrastrukturen von Schulen über Universitäten bis zu Rundfunksendern. Die Migranten passte man, so Wielenga, in dieses Modell ein und schuf eine weitere „Säule“ mit eigenen Einrichtungen nach dem funktionierenden Toleranzmodell. Nur war das aus den konfessionellen Differenzen entwickelte Modell untauglich für die Integration von Menschen aus ganz anderen Kulturkreisen – aber den Fehler erkannte man erst, als es zu spät war.

Aus der gescheiterten Integration in den Niederlanden können und müssen wir lernen. Für die Aufnahme der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bei uns braucht es eine aktive und bewusste Politik der Integration auf der einen und der Öffnung für Fremdes und Neues auf der anderen Seite. Integration ist eine Aufgabe unserer Sport- und Kulturvereine ebenso wie der freiwilligen Feuerwehren, der Chöre und Vereine gleichermaßen.

In Nordrhein-Westfalen hat die CDU-FDP Regierung das Thema aufgegriffen, erstmalig einen „Integrationsminister“ berufen und mit Armin Laschet einen hervorragenden und allseits anerkannten  Minister dafür gefunden. Morgen Nachmittag besucht er Münster; ich freue mich darauf.

________________________________________________________________________________

Bildung und Schule - FRÜZ, JAZ und vieles mehr

Mittwoch, den 28. April 2010

Wie so oft im Wahlkampf auch heute wieder das Thema Bildung und Schule. Früh um sieben traf ich mich zum Schulfrühstück mit Schülern und den Rektoren der Augustin-Wibbelt-Förderschule und der Droste-Hauptschule in der neuen, schönen  Schulmensa. FRÜZ – „Frühstück zusammen“ heißt das Angebot für Kinder, die zuhause keine Möglichkeit des gemeinsamen Frühstücks haben. Natürlich soll damit nicht die Familie aus der Verantwortung entlassen werden, aber es gibt immer mehr Kinder, für die dies der einzige Weg zu einem ganz normalen Frühstück ist.

Eine quirlige Runde war da zusammen. Etwa 25 Mädchen und Jungen nehmen täglich das Angebot wahr, das von je zwei ehrenamtlich tätigen Damen aus einem 10er Team und der hauptamtlich verantwortlichen Frau Otterbach vorbereitet wird. Es ist ein gutes Gefühl für die Kinder, nicht mit knurrendem Magen im Unterricht zu sitzen. Und die persönliche Ansprache durch die aktiven Frauen kommt hinzu. Nach kurzer Zeit war auch das Eis gebrochen und die Kinder waren hoch interessiert an meinem Elektro-Wahlkampf-Auto und fragten munter nach.

Die Schulleiter, Frau Reynolds und Herr Müller, bestätigten noch einmal, wie gut das Modell der Kooperation hier funktioniert und welche Vorteile der echte Ganztag, der mit Landesgeld vor drei Jahren eingeführt werden konnte, mit sich bringt. Und für die Mahlzeiten hat die Stadt die Infrastruktur mit dem Bau der multifunktionalen Mensa geschaffen und aus den Mitteln des Ganztags kann die hauptamtliche Stelle dort finanziert werden. Wie ich die Kinder hier erlebt habe, stellt sich mir die Frage, ob sie wohl glücklicher würden in einem riesigen Einheitsschulbetrieb, in dem ihnen vielleicht ständig das Gefühl einer geringeren Leistung vermittelt würde. Mobbing und Ausgrenzung gibt es überall. Die Lösung ist nicht die Schulform, sondern die Art des Umgangs miteinander und das Eingehen auf das jeweilige Kind.  

Wenig später dann ein Jahrgang der Maßnahme „Arbeiten und Lernen“ des Jugendausbildungszentrum JAZ. Der katholische Verband SKM hat mit dem JAZ vor über zwanzig Jahren eine Möglichkeit geschaffen, in der Kombination von Schule und Betrieb den früher aus welchen Gründen auch immer versäumten Hauptschulabschluss nachzuholen. Ich kenne diese Kurse seit Beginn, weil die Akademie Franz Hitze Haus Rechtsträger der Maßnahme ist und ich somit schon viele Prüfungen der jährlich etwa 16 bis 20 Schüler erlebt und ihnen die Zeugnisse ausgefertigt habe.

Neben der bewundernswerten Arbeit, die Sozialpädagogen und Lehrer hier im Kellergeschoss der Gesellschaft verrichten, freue ich mich immer wieder über viele durchaus aufgeweckte und interessierte junge Menschen, die hier vielleicht zum ersten Mal lernen, dass man selbst sein Leben in die Hand nehmen kann. Allerdings ist es oft die wichtigste Aufgabe, zu vermitteln, dass es Gründe gibt, an ein und dem selben Ort an mehreren Tagen hintereinander pünktlich früh zu erscheinen … .  

Jeder oder jede, die hier einen Schulabschluss erwerben, schaffen sich die Voraussetzung für eine berufliche Ausbildung, die ein selbst bestimmtes Leben erst ermöglicht. Die jungen Leute waren sehr gesprächs- und auskunftbereit. Ich habe der Leiterin der Maßnahme, Frau Reismann, angeboten, in den kommenden Jahren immer wieder einmal eine Stunde Sozialkunde zu übernehmen, denn aus den Gesprächen geht man mit einer Menge neuer Erkenntnissen heraus.

Dass ich mich da beim abendlichen Fernsehstreit der Parteivorsitzenden wieder einmal über die Ignoranz der SPD-Bildungspolitik in Person von Frau Kraft mit ihrer völligen Fixierung auf das Abitur und der Abwertung aller anderen Schulabschlüsse – und damit der Absolventen - ärgere, versteht sich nach solch einem Tag von selbst. 

________________________________________________________________________________

Die letzte Fraktionssitzung der ablaufenden Legilsaturperiode

Dienstag, den 27. April 2010

Die letzte reguläre Fraktionssitzung wurde heute um 10 Uhr mit einem demonstrativen und herzlichen Beifall für Jürgen Rüttgers eröffnet, der sich gestern sehr gut im „Duell“ genannten Gespräch mit seiner Herausforderin Kraft geschlagen hat. Die Sitzung hatte aber auch etwas Wehmut: sind doch einige sehr geschätzte, liebe Kollegen in der nächsten Legislatur sicher nicht mehr dabei, weil sie nicht mehr kandidieren. Sicher, es wird noch eine Abschiedssitzung am Dienstag nach der Wahl geben, aber dennoch war dies die letzte reguläre von 160 Fraktionssitzungen.

Zu den  ausscheidenden gehören auch Münsterländer: Marie-Theres Kastner hier aus Münster, die mit großem Engagement die vielen Erneuerungen der Familienförderung und Kinderbetreuung mitgestaltet und verteidigt hat; dann Hannelore Brüning aus Steinfurt, Mitglied im geschäftsführenden Vorstand und hoch engagiert in allen Fragen unserer Region und des FMO im besonderen; und Josef Wilp aus Rheine, der Politik aus Leidenschaft auf einer klaren Wertebasis macht. Auch unser Vorsitzender Helmut Stahl geht in Pension und scheidet aus dem Landtag aus. Mit ihm habe ich mich besonders gut verstanden und schätze an ihm vor allem seine kluge Heiterkeit. Oder Ursula Monheim aus Leverkusen, unsere Kontaktfrau zu den Kirchen, die wie die anderen nach 15 Jahren nicht wieder kandidiert hat.

Diese Kollegen und eine Reihe weiterer werden fehlen. Ich wünsche ihnen Gelassenheit und Ruhe, wenn jetzt auf einmal die übersprudelnden Quellen an Informationen versiegen und viele rein politische Kontakte von den wirklich tragfähigen, persönlichen abgelöst werden. Gelernt habe ich von den Genannten in den letzten fünf Jahren vor allem, wie man seine Standpunkte sehr klar vertritt ohne den politischen Gegner als einen persönlichen Feind zu betrachten. Die menschlichen Kontakte laufen quer durch die Fraktionen und werden nicht zuletzt auf den medial nicht gut beleumundeten Ausschussreisen geknüpft.

Wie sehr harte politische Auseinandersetzung und menschliche Achtung zusammen gehen können, war am letzten Plenartag zu sehen als Helmut Stahl verabschiedet wurde: alle Parlamentarier im Saal aus allen Fraktionen (Rüdiger Sagel war wie so oft nicht da) zollten ihm stehend Applaus. Dasselbe dann bei Edgar Moron, langjähriger SPD-Fraktionsvorsitzender und jetzt Landtagsvizepräsident, dem ebenso herzlich gedankt wurde. - Aber das war natürlich nicht im Fernsehen zu sehen, weil so etwas als nicht interessant gilt. Politikverdrossenheit hat auch Wurzeln in der eingeschränkten Darstellung des parlamentarischen Alltags.

Ansonsten haben wir uns gegenseitig ermuntert für die letzte Strecke vor der Wahl. Und dann setzte sich ein langer Tag fort mit einem Fernsehinterview für WDR-west-art; einer Diskussion mit dem Verband der Orchestermusiker in der Düsseldorfer Tonhalle; einer Podiumsdiskussion mit dem Philologenverband, bei der geklagt wurde, wie die SPD den uralten Hut der flächendeckenden Gemeinschafts- und Gesamtschule wieder präsentieren kann. Und schließlich war ich bei einem Festakt zur Gründung einer Kollegforschergruppe der DFG an der WWU zur Normenbegründung in Medizinethik und Biopolitik mit einem Vortrag des Würzburger Juristen Horst Dreier -  tut gut, mal in dem ganzen Wahlkampfstress etwas ganz anderes zu hören. (Eine hübsche Bemerkung darin: Dreier sprach von dem „Irrationalitätsprivileg“ der Politik, wohl ein anderes Wort für „Narrenfreiheit“ …) Die Universität geht mit diesem Leuchtturmprojekt der DFG ihren Weg der Profilbildung und Erneuerung weiter: welch eine Entwicklung, nicht zuletzt angestoßen durch Exzellenzwettbewerb und Hochschulautonomie!

_______________________________________________________________________________

Die Sportlandschaft in Münster und die Verabschiedung von Prof. Willmann

Montag, den 26. April 2010

In der heutigen Mitgliederversammlung des Stadtsportbundes Münster wurde Prof. Günter Willmann, der den Bund seit über 26 Jahren geleitet hat, verabschiedet. Zu Recht verlieh ihm der Oberbürgermeister die silberne Rathausgedenkmünze und er wurde von der Versammlung einmütig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Was hat der SSB nicht alles für den Sport in dieser Stadt getan! Seit 2005 gibt es den „Pakt für den Sport“, in dem alle Kräfte für die Entwicklung sportlicher Angebote gebündelt werden. Das ehrenamtliche Engagement ist im Sport so sehr wie sonst nur selten der Träger und Garant der Aktivitäten. Professor Willmann ist und bleibt der Repräsentant und Lobbyist dieses Bereichs.

Das Land hat für den Sport viel getan: auch in diesem Jahr gibt es wieder das Projekt 1.000 Euro für 1.000 Vereine, wo wie im letzten Jahr 16 münsteraner Vereine dabei sein werden. Wir haben eine Sportstättenprogramm aufgelegt, as es den Vereinen ermöglicht mit Mittel der NRW-Bank zinsgünstige Kredite unter vereinfachten Bedingungen für den Bau von Sportanlagen zu erhalten. In Münster kommt die Einrichtung eines „Sportinternats“ hinzu, womit auch die Förderung des Leistungs- und Spitzensports eine Verortung in Münster findet.

Ich selbst habe keine besonders intensive Beziehung zum Sport; er ist mir immer etwas fremd geblieben. Aber meine Kinder haben umso mehr damit zu tun: Damian, Kaspar und Martin sind Handballer aus Leidenschaft; Martin trainiert inzwischen zwei Nachwuchsmannschaften des Handballvereins DJK Sparta Münster. Hier in unserem Wohngebiet und in unserer Pfarrgemeinde gehört es einfach dazu, Handballer bei Sparta zu werden. Ich erinnere mich gut an die sonntäglichen Reisen zu Hallen in der Umgebung, um dort den Kleinen die Turniere zu ermöglichen.

Münster wird immer mehr zur Sportstadt. Nicht allein die gute Ausstattung mit Hallen, Plätzen und Sportanlagen – beginnend mit dem innovativen Sportpark Sentruper Höhe in unserer unmittelbaren Nachbarschaft – machen Münster attraktiv für Sportler jeden Alters und jeder Intensität. Auch der seit einigen Jahren mit Mitteln der Volksbank durchgeführte „Münster-Marathon“ und das von der Sparkasse initiierte Radrennen der „Münsterland Giro“ tragen zur Attraktivität Münsters für Sportbegeisterte bei, auch wenn die goldenen Jahre des Fußballvereins „Preußen Münster“ lange zurück liegen.

Wenn  bei einer solchen Mitgliederversammlung wie heute Abend die Kollegin Landtagskandidatin der SPD ein Grußwort hält und darin nicht versäumt, auf die Sportabsichten ihrer Partei einzugehen, finde ich das wohl nicht allein etwas peinlich. Ich jedenfalls habe keine Wahlrede gehalten und lieber nichts gesagt. Der Abend gehörte der Verabschiedung Günter Willmanns und der Inthronisation seines Nachfolgers Jochen Temme. Ihm gelten alle guten Wünsche für seine Arbeit: Glück und Segen!

________________________________________________________________________________

Theater in der kommunalen Finanzkrise


Sonntag, den 25. April 2010

In Bielefeld gab es am Abend eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wertlos oder wertvoll: Theater in der kommunalen Finanzkrise“. Außer mir waren auf dem Podium der Dortmunder Kulturdezernent und Kämmerer Jörg Stüdemann, der Direktor des Deutschen Bühnenvereins Rolf Bolwin, Holk Freytag, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, Dr. Reinhard Zinkann, Chef der Miele-Werke und Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Kulturwissenschaftler aus Hildesheim, den ich aus den Zeiten der Enquéte-Kommission 2003 bis 2007 gut kenne. Moderiert wurde der Abend von dem Schauspieler und Journalist Stefan Keim.

Die Theater sind in großen Nöten wegen der außerordentlich angespannten Finanzlage der Kommunen, die die 18 kommunalen und 4 Landestheater fast ausschließlich finanzieren. Dabei geht es natürlich nicht um die Gebäude – da gäbe es viel mehr Spielstätten von Marl bis Coesfeld. Es geht um die vier- oder sogar fünf- Sparten Häuser, die einen Personalbestand von i. d. R. über 300 Mitarbeitern schultern. In Wuppertal geht es trotz der heftigen Proteste (noch) nicht um das Theater, sondern nur um eine von zwei Spielstätten. Aber auch in Moers, Hagen und Krefeld ist die Situation höchst brenzlig. Wie unser Münsteraner Haus noch einmal sparen will, kann ich mir kaum vorstellen, nachdem bereits große Sparwellen in den vergangenen Jahren verkraftet worden sind.

Die Finanznöte werden  allerdings auch gern gebraucht zu einem großen Aufschrei, unter dem vielleicht andere kulturelle Institutionen leiden müssen. So soll in Mülheim das Theater geschont werden – dafür das alte Museum abgewickelt. Solche Alternativen sind sehr problematisch. Vor allem die Freie Szene darf  nicht unter die Räder der Großinstitutionen geraten. Wie allerdings die oberzentralen Wirkungen der Theater angemessen zu finanzieren sind, das wird eine Frage für die nächste Legislaturperiode sein. Unser Theater macht ja auch für die umliegenden Kreise und Städte ein Angebot. Nun wird das bereits in den Zahlungen des Landes an die Städte berücksichtigt, aber nicht eigens ausgewiesen. Wir werden wohl auf Sicht zu einer höheren Beteiligung des Landes an den Theaterfinanzen kommen müssen – so wie es in Bayern und Baden-Württemberg längst der Fall ist.

Diskutieren werden wir darüber, wie weit der Kulturauftrag der Landesverfassung in die Prüfungspraxis der Regierungspräsidenten reicht, die in den Kommunen ohne ausgeglichenen Haushalt, den Etat zu prüfen und genehmigen haben. Und dann die falsche Vorstellung von einer „freiwilligen Leistung“! Freiwillig heißen diese, weil sie nach den Festlegungen in der Zeit des Nationalsozialismus in der neuen Demokratie in die freie Verfügung der Kommunen gestellt wurden, die selbst ihre Kulturarbeit gestalten sollten. Wie man daraus „freiwillig“ im Sinne von „unnötig“ werden ließ, ist ein Rätsel.

Die Kulturetats, die gern als Symbolthema genutzt werden, eignen sich nicht zur Sanierung der kommunalen Haushalte: sie machen auch in den Großstädten nicht mehr als 3 bis 4 % des Etats aus. Die wirklichen Brocken sind die Steigerungen in den Soziallasten, die von 2000 bis 2008 von 8,2 auf fast 12 Milliarden Euro angestiegen sind. Die 77o Millionen Euro Kulturausgaben der nordrhein-westfälischen Kommunen machen davon nor 6,5% aus. Wegen dieser Probleme wurde am 4. März in Berlin eine Kommission gegründet, in der von allen Seiten her nach Lösungen suchen soll.

Es war eine gute Diskussion vor einem gut besetzten Haus und der Abschluss eines langen Tages mit Auftritten und Gesprächen. Und doch: das wichtigste war heute der Abschied von Damian, der mit seiner Freundin Ira gestern mit geholfen und mitgefeiert hat und die heute wieder nach Bonn zurück fuhren. Bei aller steigenden Nervosität sollte man sich die eigentlich wichtigen Themen vor Augen führen: die Familie, Freunde und das Zuhause.

________________________________________________________________________________

Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse eines Wahlkampftages


Samstagn, den 24. April 2010

Wahlkampftag an Ständen in der Innenstadt und in den Stadtteilen im Süden. Man trifft auf viele Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Meinungen. Getreu dem Motto: „kleiner Bulli, großes Team“ sind wir zu siebt zu den Ständen in Albachten, Hiltrup, Angelmodde, Geistviertel und zum Domplatz gefahren, haben Flyer, Kugelschreiber und Visitenkarten verteilt, mit den Leuten diskutiert und den Standbesetzungen Kuchen als kleines Zeichen der Anerkennung für ihren Dienst mitgebracht. Andere aus dem Team blieben am Domplatz, unserem zentralen innerstädtischen Informationspunkt.

Beim Straßenwahlkampf macht man gemischte Erfahrungen. Viele freundliche  Bemerkungen: „Ich kenne Sie doch, Herr Sternberg, aus der Zeitung“ oder „aus der Akademie Franz Hitze Haus“, „ich wünsche Ihnen viel Glück“ und anderes mehr; aber dazwischen auch Ablehnung und aggressive Zurückweisung. Verzweifeln lassen einen Bemerkungen, wie die einer gut gekleideten Dame, sie wolle diesmal Die Linken wählen, weil „von der Merkel ja nichts mehr kommt“. Oder man wähle nicht, weil „die Politik“ sich im Moment zu wenig für die Interessen der Rentner, Alleinstehenden, Unternehmer, Singles etc. einsetze. Sogar der Taubendreck auf den Straßen Münsters dient als Grund zur Ablehnung „der Politiker“.

Wir sind durchaus eingestellt auf Attacken, denen wir mit möglichst sachlichen Auskünften begegnen. Freundliches Interesse ist die beste Erwiderung gegen einen Ärger, der tiefer sitzt, als die Oberfläche der tagesaktuellen (Des-)information.

Man lernt auf der Straße in kurzen Begegnungen eben auch Menschen kennen, die offensichtlich verbittert sind. Am ehesten wird das aus Einsamkeit stammen, denn sie wirken zumeist in sich gekehrt und streng. Auf der Straße ist nicht die Zeit und die Gelegenheit, angemessen auf sie einzugehen, aber man wird dankbar für die vielen hauptberuflich oder ehrenamtlich im Sozialbereich Aktiven, die neben den unmittelbaren Funktionen ja auch die Ansprechpartner solcher Menschen sind. Ihr Dienst ist mehr als die Sicherung der materiellen Bedürfnisse.

Schön ist der Wahlkampf durch die viel häufigeren freundlichen Kontakte, die man gemeinsam mit dem Team macht. Und wenn der Wirt des Marktimbiss das Team zu freiem Eintopf oder Currywurst/Pommes Frites einlädt, weil er helfen möchte, „dass das klappt am 9. Mai“ – dann ist auch das mehr als die Sättigung der Helfer; es dient zu Motivation und Vergnügen.

________________________________________________________________________________

Bildübergabe im Landesmuseum 

Freitag, den 23. April 2010

Business-Breakfast in Roxel, Empfang der Evangelischen Kirche von Westfalen, Besprechungen in der Aakademie, Wahlkampf auf dem Pantaleonsplatz und Mitgliederversammlung der Droste-Gesellschaft auf Haus Stapel – nichts von alledem als Thema des abendlichen Blogs. Stattdessen eine bemerkenswerte Stunde im Landesmuseum am Mittag: Gefeiert wurde die endgültige Übergabe eines Bildes an das Westfälische Landesmuseums, das seit langen Jahren zum Kernbestand der Sammlung gehört. Wie das?

Seit den sechziger Jahren bewundern die Besucher des Westfälischen Landesmuseums das Gemälde „Romantische Landschaft mit Ruine“ des Berliner Malers Carl Blechen (1798 – 1840). Es handelt sich um eine Leihgabe der Bundesrepublik aus unklaren Beständen. Im Jahr 2005 empfahl die „Beratende Kommission für die Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogener Kulturgüter“ das Bild den Erben von Julius Freund rückzuerstatten, die dieses Bild mit anderen 1941 aus einer Notlage heraus unter Wert für ein zu gründendes „Führer-Museum“ verkauft hatten.

Die Erben wurden im vergangenen Jahr ermittelt. Und jetzt kommt das Erstaunliche und Vorbildliche dieses Falls einer Restitution von Kunstwerken, wie sie nach den „Provenienzforschungen“, die sich zurzeit alle öffentlichen Sammlungen verordnet haben, häufig vorkommen. Die Leitung des Museums nahm sogleich Kontakt mit den Erben in Kanada direkt auf und luden sie nach Münster ein. Vor dem Bild wurde nicht die Frage erörtert, ob das Bild rechtmäßig dem Museum gehöre – dies war bereits klar zugunsten der Erben des Alteigentümers entschieden.

Der Austausch galt vielmehr der Bekräftigung, dass es die Museen und eben auch dieses in Münster es ernst meinen mit der Frage nach Raubkunst, Enteignungen und Unrecht im „Kunsthandel“ der Nazizeit. Herausgekommen ist ein Vergleich, der abseits von Rechtsanwälten und Versteigerungshäusern einen Kauf des Bildes ermöglichte, der unter dem liegt, der in einer Auktion zu zahlen gewesen wäre. Es entstand eine klassische win-win-Situation: Unter Verzicht auf Rechtsanwaltshonorare und Versteigerungscourtagen wurde mithilfe der Kunststiftung NRW, der Kulturstiftung der Länder und der NRW-Bank ein Weg eröffnet, der finanziell tragbar ist.

Vor allem aber ist dies eine Lösung, die im direkten Kontakt mit den Opfern oder ihren Nachkommen das erlittene Unrecht selbst thematisiert und im Blick auf das Werk in seinem Sammlungskontext eine gemeinsame Möglichkeit mit den Menschen selbst findet. Prof. Anthony Friend, Enkel von Julius Freund und Wirtschaftsforscher in Kanada sparte nicht mit Lob über die Abwicklung dieser Angelegenheit durch Dr. Arnhold und sein Team.

Eine vorbildliche Lösung – und dass das Bild im Caspar-David-Friedrich-Ton, das die Dunkelheit selbst zum Thema macht, nun dauerhaft und sicher zur Sammlung gehört, freut jeden westfälischen Kunstfreund.

________________________________________________________________________________

Erfolgreiche Wissenschaftspolitik in NRW und für Münster


Donnerstag, den 22. April 2010

Verteilaktion vor der Mensa und Podiumsdiskussion in der sog. „Vollversammlung“ der Studierenden unter anderen mit Frau Kraft im F1, das gibt Anlass genug, am Abend einige Gedanken zur Wissenschaftspolitik zu formulieren. Mit einer gewissen Genugtuung denke ich da an die vergangenen Jahre zurück. Wir haben hier wirklich viel erreicht!

Am Anfang des Wintersemesters 2008/9 begrüßte am Hörsaalgebäude der Universität ein Willkommensbanner die neuen Studierenden und eine Veranstaltung für die „Erstis“ fand mit Rektorin und Bürgermeisterin statt. Was für eine Veränderung! Früher hatte man den Eindruck, die Hochschule sagte sich: „Studenten kommen sowieso, hoffentlich kommen nicht so viele!“ Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist längst in vollem Gange. Die Universität stellt sich dem internationalen Wettbewerb und kann da auch mithalten.

Das ist das Ergebnis des neuen Hochschulgesetzes, das modernste in Deutschland,  mit dem wir den Hochschulen wieder Autonomie gegeben haben; getreu dem Prinzip der Subsidiarität, nach dem die kleinere Einheit die eigenen Dinge am besten selbst regelt. Der Einfluss des Staates ist auf die Zielvereinbarungen beschränkt, die aber Steuerungsmöglichkeiten genug bieten, Studiengänge nicht aussterben zu lassen oder Ausbildungszahlen zu erreichen. Die Universitäten regeln ihre Angelegenheiten selbst, haben eigene Dienstherrenfunktion und handeln selbstverantwortlich. Das setzt ungeahnte Kräfte frei, die sich in einer Hochschule als Ausbildungszentrum für den regionalen Bedarf – wie das jahrzehntelang der Fall war – nicht ausbilden konnten.

Die Lehre haben wir durch Studienbeiträge verbessern können, deren positive Wirkungen nun allenthalben sichtbar werden. Unser Gesetz ist besser als das Studiengebührengesetz der früheren Regierung, die das Geld erst im Landeshaushalt kassierte und dann in Teilen überwies. Wir gestatten den Hochschulen in Eigenverantwortung bis zu 500 € im Semester nach bestimmten Kriterien zu erheben. Für die WWU sind das bei einer Höhe von nur 275 € im Semester 14 Millionen € für die Verbesserung der Lehre.

Sozial ist das System, weil wir die BaföG-Empfänger ab einer Höhe etwa des halben Satzes freistellen. Das wiederum hängt zusammen mit der Methode der Nachlagerung, die es ermöglicht, die Beiträge als Kredit zu entrichten und erst dann zurück zu zahlen, wenn ein entsprechendes Einkommen erreicht ist. Die Kappungsgrenze für den Kredit aus BaföG und Studienbeiträgen haben wir bei 10.000 € gesetzt – in Bayern und Baden-Württemberg gelten 15.000 €.

Die Zahlungen des Landes an die Hochschulen sind trotzdem gestiegen: so bekommt die WWU heute 5 % mehr Landeszuweisungen als 2005. Vom endlich angefangenen Hochschulbau, von den Renovierungen und Neubauten, von Institutsförderung und Fachhochschulen war noch keine Rede. Nordrhein-Westfalens Hochschulen haben den Schritt von durchbürokratisierten  Behörden zu modernen, selbständigen Einheiten geschafft ohne deshalb zu Wirtschaftsunternehmen geworden zu sein.

________________________________________________________________________________

WDR-Diskussion in Köln über Kultur und vieles mehr...

Mittwoch, den 21. April 2010

Heute möchte ich nicht über die Planungssitzung zum Programm der Akademie im zweiten Halbjahr und auch nicht über die – gute! – Rede des Finanzministers Linssen bei der MIT im Mühlenhof schreiben, sondern über eine Diskussion der kulturpolitischen Sprecher im WDR in Köln. Der Kulturausschussvorsitzende Fritz Behrens für die SPD, Landtagsvizepräsident Oliver Keymis für die GRÜNEN, seine Präsidentenkollegin Angela Freimuth für die FDP, ich für die CDU und der Vorsitzende des Landeskulturrats Ex-Minister Baum diskutierten unter Moderation des Redakteurs Michael Köhler im Kleinen Sendesaal; am 2. Mai um 19:05 Uhr ist die Aufzeichnung in WDR 3 Radio zu hören.

Nun sind die Positionen zur Kulturpolitik nicht so kontrovers wie die anderer Politikfelder und Kulturpolitiker sind sich relativ rasch untereinander einig – allerdings nicht in ihren jeweiligen Fraktionen, wo andere Schwerpunktsetzungen und Interessen auszugleichen sind. In keinem Land in Deutschland ist der Kommunalisierungsgrad der Kulturausgaben so hoch wie in Nordrhein-Westfalen, wo neben den Städten auch die Kommunalverbände LVR und LWL wichtige Akteure sind. Aber in der Weise, wie sich das Land unter der Vorgängerregierung aus der Kulturförderung verabschiedet hatte und radikalste Kürzungen auf diesem Feld vorgenommen hatte, das bleibt zum Glück ohne Parallele.

Wir haben den Kulturförderetat in dieser Periode verdoppelt – in 20 % Schritten fünfmal in jedem Jahr! Beschlossen wurde dies im schwachen Jahr 2004 in einem wichtigen Grundlagenpapier „KulturMacht NRW“, das eine Gruppe, in der ich als damals noch Nichtpolitiker mitwirken konnte, in abendlichen Sitzungen in einem altrömischen Keller in Köln ausgearbeitet haben. Die Steigerungen wurden auch in den Etats 2009 und 2010 durchgehalten. Und die Mittel werden nicht vor allem für die spektakulären Leuchttürme ausgegeben, sondern für die kulturelle Bildung auf allen Ebenen. Und so führen wir als erstes und wichtigstes Projekt der Kulturhauptstadt Ruhr2010 den größten Feldversuch kultureller Bildung durch: JeKi, Jedem Kind ein Instrument, und dazu „Kultur und Schule“ und vieles andere mehr.

Diese Politik hat uns den Respekt auch des politischen Gegners eingetragen. Allerdings forderten die Oppositionsvertreter eine stärkere Profilierung der Landeskulturpolitik durch einen Minister, zumal der Ministerpräsident als Verantwortlicher sich verständlicherweise nicht um die Kulturthemen ausführlich kümmern könne und sein hoch angesehener Staatssekretär als Beamter nicht im Parlament reden dürfe. – So richtig das auf den ersten Blick erscheinen mag; sicher ist auch, dass die wirklich umfassenden Erneuerungen und Impulse in der Kulturpolitik des Landes nicht möglich gewesen wären, wenn sich der Ministerpräsident nicht persönlich mit diesem Feld der Landespolitik identifizierte und alle entsprechenden Entscheidungen getroffen hätte.

Viele Aufgaben liegen vor uns: die Sicherung der kulturellen Infrastruktur insbesondere bei den Oberzentralen Einrichtungen der Großstädte aber auch der bunt-innovativen Freien Szene, eine Offensive der musischen Bildung an unseren Schulen, die landesweite Ausweitung von JeKi, das Bibliotheksgesetz und vieles andere mehr. Wir wollen das angehen – und werben um die Stimmen, die wir zur Weiterführung unserer erfolgreichen Kulturpolitik brauchen.

_______________________________________________________________________________

Ein spannender Geburtstag

Dienstag, den 20. April 2010

An meinem Geburtstag gab es eine ganze Reihe von Veranstaltungen. Büroarbeit, ein Interview-Film eines lokalen Internet-Senders, ein Möbelkauf, eine Podiumsdiskussion im Gymnasium Paulinum, die Eröffnung des Künstleratelierhauses an der Schulstraße, eine Pressekonferenz zur Schulaktion, eine Vereinsvorstandssitzung und schließlich eine Veranstaltung mit Reden von mir und Minister Laumann ab 6 Uhr in Angelmodde. Zwischendurch Anrufe, SMS, Mails und sonstige liebe Grüße zum Geburtstag, der von Glückwünschen in der Familie und in der Akademie Franz Hitze Haus eingeleitet wurde. Dazu einige wichtige telefonische Absprachen zu einem Großprojekt, das vielleicht noch in den kommenden Wochen „aus den Puschen kommt“. Um halb zehn dann endlich ein paar Minuten mit der Familie und ein Glas Rotwein.

Und nun der Blog zum Tagesausklang, der heute nur eine Anmerkung bringt. Auf facebook postet ein Schüler des Paulinums heute:
Herr Dr. Sternberg (CDU): „die Linkspartei“. Herr Sagel (die Linke): „wir heißen nicht Linkspartei!“. Herr Sternberg: „SED, PDS… ist mir doch egal!... Herr Sagel, mit Radikalen rede ich sowieso nicht!“ – unfassbar geiler Ausschnitt aus der heutigen Podiumsdiskussion. Ein Freund schreibt dazu: … besonders die Inkompetenz des Herrn Sagel war sehr amüsant.

Ich gestehe, dass mir diese Reaktion auf die Veranstaltung nicht unsympathisch ist. Die Diskussion zeigte, wie bei den Schülerbesuchen im Landtag: die Schülerinnen und Schüler lassen sich nicht so einfach mit Parolen einwickeln. Sie fallen nicht auf die Rattenfängereien der Radikalen herein und fragen kritisch nach, sind sehr aufmerksam für hohle und unrealistische Versprechungen. Es kommen gute Fragen auf und es wird sachbezogen debattiert. Es macht wirklich Spaß, mit jungen Leuten zu diskutieren.

Mein Vorschlag nach der Aktion an die verantwortliche Lehrerin ging dahin, ob es nicht möglich wäre, auch außerhalb von Wahlkampfzeiten einmal eine Einladung an Parlamentarier auszusprechen, um in Ruhe politische Sachfragen mit den Klassen zu besprechen. Um parteipolitische Neutralität dabei einzuhalten, könnte man ja mal die eine und dann den anderen einladen. Für die Demokratie-Schulung wäre das sicher ein Gewinn. Es könnte eine gute Ergänzung zu einem Besuch in dem außerschulischen Lernort Parlament sein.

Wenn der Geburtstag etwas stressig scheinen mag: erstens bin ich Geburtstage nicht anders gewohnt und zweitens gibt es am Samstag eine kleine Feier mit lieben Freunden… 

________________________________________________________________________________

Ein besonderer Tag für das Bibelmuseum der WWU Münster

Montag, den 19. April 2010

Über 700 kostbare lateinische, syrische, griechische und mehrsprachige Bibeln vor allem aus dem 16.Jahrhundert sind heute dem Bibelmuseum am Institut für Neutestamentliche Textforschung in Münster übergeben worden. Das Institut ist die Einrichtung, die eine weltweit geltende Textfassung des griechischen NT in immer erneuerten Auflagen herausgibt. Eine kleine Einrichtung von internationaler Bedeutung.

Für mich begann das Thema Bibelsammelung vor fast fünf Jahren: ich war gerade frischer Landtagsabgeordneter, als der ehemalige Bürgermeister von Recklinghausen, Peter Borgraefe, mich besuchte und mir von einer Bibelsammlung erzählte, die an die Universität Münster gehen solle.

Deren Geschichte ist schnell erzählt: Am Anfang stand eine Begegnung des Regierungspräsidenten Dr. Jörg Twenhöven  mit dem Rechtsanwalt Walter Remy. Dessen großes Lebenswerk ist eine einzigartige Sammlung von frühen Drucken und Inkunabeln der Heiligen Schrift, die er für die Zeit nach seinem Tod in sicherer Obhut wissen wollte. Twenhöven dachte sogleich an das „Aland-Institut“ hier an der Universität und sein Bibelmuseum. Er sprach Peter Borggräfe an, von dem er wusste, dass er sich für frühe Bibeleditionen interessierte.
 
Was in den folgenden Jahren geschehen ist an Gesprächen, Überlegungen, Briefwechseln, Gutachten, Klärungen und Treffen, ist hier nicht im Einzelnen nachzuzeichnen. Aber überall, wo man mit dem Thema sich meldete, traf man auf offene Ohren und Bereitschaft zur Mithilfe. Das galt auch für den Nachfolger Twenhövens als Regierungspräsident Paziorek, für die Rektorin der WWU Nelles, für den Kulturstaatssekretär Große-Brockhoff, für die Kunststiftung, die Kulturstiftung der Länder und viele mehr.

Die Sammlung, die größte Privatsammlung von frühen Bibeln, ist im Institut für Neutestamentliche Textforschung genau richtig, denn hier wird sie nicht nur museal bestaunt und gehütet, sondern auch genutzt. Denn von diesem Ort aus geht die genaue Analyse der Varianten aller wichtigen Drucke und Handschriften des Neuen Testamentes aus. Und auch diejenigen, die sich mit der Erforschung des ersten Buchs der Bibel, dem Alten Testament, beschäftigen, haben dort einen Ort der Recherche und des Studiums.

Warum so viele Bibeln - es reicht doch eine! Diese Frage wurde schon bei der Jubiläumsfeier des Instituts am 9. Dezember 2009 gestellt, als der Bundespräsident sein großes Interesse an der Einrichtung durch seine Anwesenheit unterstrich. Textkritik ist keine neue Erfindung der Bibelwissenschaft in der Neuzeit – die Literaturwissenschaft konnte im Gegenteil auf eine reiche Tradition der Textanalyse in der Geschichte des Christentums seit den Anfängen zurück greifen.

Ein Neues Testament, das wir in vier Varianten von vier verschiedenen Autoren als kanonischen Text haben, ist der erste Beleg dafür. Und dann vor allem Origenes, der um das Jahr 245 in Alexandria eine Konkordanz von Texten des Alten Testaments herstellte, die Hexapla, mit der er den hebräischen Text, den hebräischen in Umschrift und mehrere griechische Fassungen vergleichen konnte.

Eine angemessene, würdige Feier mit allen unmittelbar Beteiligten diente heute der Umrahmung des großen Ereignisses. Remy schenkte noch eine deutsche Bibel aus dem Jahr 1541 mit Original-Holzschnitten von Lucas Cranach und einem Zettel aus den 30er Jahren, wo ein SS-Offizier das Herausschneiden der Holzschnitte und die Vernichtung des Restes anordnete – ein Befehl, der offensichtlich verhindert werden konnte.

Eine Bemerkung zum Schluss über die Bedeutung der Bibel von Heinrich Heine, der in der zweiten Auflage seines Buches von 1834 „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland“ im Jahre 1852 ein korrigierendes Vorwort verfasste. Dort liest man über seine „Umwandlung in bezug auf göttliche Dinge“, seine Konversion habe nichts mit „Wunderspuk“ zu tun, sondern mit einem „alten, schlichten Buch“, das nähre wie Brot und wärme wie die Sonne, der Bibel. Es heißt da: „Mit Fug nennt man diese auch die Heilige Schrift; wer seinen Gott verloren hat, der kann ihn in diesem Buche wiederfinden, und wer ihn nie gekannt, dem weht hier entgegen der Odem des göttlichen Wortes.“

In diesem Sinne freue ich mich mit über den großen Zugewinn des Bibelmuseums aus den Beständen eines leidenschaftlichen und ebenso spirituellen Sammlers, das damit in den Rang von Stuttgart und Wolfenbüttel aufrückt.

________________________________________________________________________________

Besuch im "Wohnstift am Südpark" und Gedanken zum Wohnen im Alter

Sonntag, den 18. April 2010

Worüber an einem Sonntag wie diesem bloggen? Eigentlich halte ich den Sonntag für Familie und Nicht-Dienstliches frei, aber im Wahlkampf ist alles anders. Aus einem in Zweistundenabfolge getackteten Tag greife ich einen Termin heraus: im Altenwohnheim „Wohnstift am Südpark‎“.

Oskar Burkert, der Kollege aus Hamm war gekommen, um mich mit „seinem“ Thema zu unterstützen; ich hatte ihm einen Termin für Kulturleute seiner Stadt zugesagt. So helfen wir uns gegenseitig und machen zudem deutlich, dass Fraktionsarbeit Teamspiel ist. Er zeigte die neuen Möglichkeiten unseres Wohn- und Teilhabegesetzes, das wir vor genau zwei Jahren im Parlament verabschiedet haben und das seit dem 1. Januar 2009 in Kraft ist. Notwenig sind noch einige Justierungen in der Heimaufsicht, die häufig allzu bürokratisch kontrollierend und zu wenig im Sinne modernen, beratenden Controllings arbeitet.

Abgebaut wurden einige rechtliche Hemmnisse, deren Beschreibung zur Realsatire werden könnte. Es war nach altem Recht z. B. verboten, dass sich Heimbewohner, die einen Apfelkuchen backten, gemeinsam dazu Äpfel schälten, den Teig machten und abbackten, diesen Kuchen auch essen durften. Nach Gesetz hätte er einer Sonderentsorgung zugeführt werden müssen. Nun hat sich nicht jeder an einen solchen Bürokratismus gehalten, wie das zum Glück auch die vielen Kuchen- und Salatemacher der Schul-, Vereins- und Sportfeste tun, die streng nach den verrückten Hygienevorschriften ihre Produkte gar nicht mehr anbieten dürften. Aber weil die Pfleger mit einem Fuß im Gefängnis standen, haben wir mit dem neuen Gesetz neben vielem anderen es ermöglicht, dass die alten Menschen im Heim gemeinsame Mahlzeiten selbst zubereiten und auch essen können.

Warum ist das so wichtig? Es reicht nicht aus, alte Menschen zu betreuen und zu versorgen. Der Mensch braucht mehr als die Befriedigung seiner basalen Bedürfnisse. Er braucht, wie es einmal der Mediziner Klaus Dörner in der Akademie Franz Hitze Haus sagte, „seine Tagesdosis an Bedeutung für andere“, weil man 100% freie Zeit nicht aushalten könne und Menschen auf den andere Mitmenschen ausgerichtet sei, mögen das Familienangehörige, Freunde oder auch Fremde sein.

Die alten Menschen müssen für ihre eigenen und für die Belange von Anderen aktiviert werden. Wie kann man es erreichen, dass sich Menschen stärker gegenseitig helfen, vielleicht im Sinne einer Alten-WG? Erste Ansätze dazu gibt es längst – vor allem von allein stehenden Frauen, die sich in Gemeinschaften zusammenschließen, die an die früheren Stifte oder Beginenhöfe erinnern. In der Förderung sich selbst organisierender Unterstützungsstrukturen sehen wir eine wichtige Zukunftsaufgabe unserer Politik.

Denn  eines ist sicher: ein so schönes und gut geführtes Wohnheim wie das heute besuchte in der Münsteraner Südstadt wird nicht für alle im Alter die Regelwohnung werden können.

________________________________________________________________________________

Ein sonniger, erfolgreicher Wahlkampftag

Samstag, den 17. April 2010

Straßenwahlkampf ist anstrengend, aber auch eine lehrreiche Angelegenheit. Heute jedenfalls war der erste von nur drei Samstagen mit ausführlichen Wahlkampfständen in der Stadt. Ein Team von 8 Helfern aus der Jungen Union, alle in hellblauen Swetshirts mit eingestickten Logos und meinem Namen, fuhren von halb neun bis um halb zwei mit Bulli und Elektrocar mit. Kaspar und ich hatten uns vorbereitet mit belegten Brötchen für die Truppe und mit Gebäckpaketen für die Standbesatzungen, die wir besuchten. Das alles war beim frühen Marktbesuch besorgt worden.

Am Geist-Markt ging es los, dann drei Mal Angelmodde, Berg Fidel und Mecklenbeck, schließlich auf den großen Stand am Domplatz vor der Lampe-Bank. Dort ist dann der wirklich intensive Betrieb mit einer Fülle von Kontakten mit ganz verschiedenen Menschen. Je später es wird, desto mehr Touristen sind unter den Besuchern, aber auch viele Besucher aus dem Münsterland, die offensichtlich am Samstag ihre Einkäufe auf dem immer wieder begeisternden Markt machen. Man steht mitten in einem hin und her wogenden Strom von Menschen und wird fast schwindlig davon.

Die Stimmung war erstaunlich gut. Viele sehr freundliche Ansprachen, viele Aufmunterungen, viele freundliche Bemerkungen – kaum schroffe Ablehnung, wie sie auch zu einer Aktion am Stand gehört. Offensichtlich wird das Klima nicht nur in der Natur besser. Aber vielleicht trägt auch der wunderschöne Frühlingstag mit Sonne und aufblühenden, grünenden Bäumen und Blumen seinen Teil bei zur insgesamt freundlichen Atmosphäre. Es ist schön, häufig ermunternde Hinweise zu hören.

Schon gestern, beim „Canvassing“ auf der Hammer-Straße hatte sich unsere Methode bewährt: die Teammitglieder verteilen die Prospekte, häufig mit der Zugabe eines Einkaufchips, Kugelschreibers oder Notizblocks. Ich selbst spreche die Leute mit der Frage an, ob ich mich bekanntmachen darf und übergebe meine Visitenkarte – nicht ohne den Hinweis, für Fragen oder Gespräche unter den Anschriften bereit zu sein. Dabei stellt sich heraus, dass mich inzwischen viele Münsteraner kennen, wenn nicht aus der Tätigkeit als Landtagsabgeordneter, so doch als lokaler Kulturpolitiker oder aus der Akademie Franz Hitze Haus, die ich inzwischen seit fast 22 Jahren leiten darf.

Der Samstag hat uns gezeigt, dass sich die Stimmung bessert. Die Debatten nehmen an Ernsthaftigkeit zu. Man bedenkt zunehmend, was es heißen würde, die Erneuerungsarbeit für unser Land abreißen zu lassen. Bis zu einer Beurteilung der Leistungen einer neuen Regierung nach fast vierzig Jahren sind, wie eine Dame heute meinte, fünf Jahre einfach zu kurz. Sie jedenfalls wolle uns erst einmal die angefangenen Projekte und Veränderungen auch zu einem für alle offensichtlichen Erfolg führen lassen,– und deshalb wähle sie sicher mich und die CDU; danke!
________________________________________________________________________________


Ein großartiger Tag für die Wissenschaft in Münster - Rüttgers, Röttgen und Schavan zu Gast

Freitag, der 16. April 2010

Was für ein Tag! Heute morgen wurden dem Max Planck Institut und Prof. Dr. Hans Schöler eine Ergänzung mit einem Volumen von 80 Millionen Euro zugesagt. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kam um 11 Uhr gleichzeitig mit Bundesministerin Annette Schavan am Institut an. Zu einem einstündigen Gespräch trafen wir vier sowie vier Mitarbeiter uns im Haus und bereiteten die anschließende, angemessen große Pressekonferenz vor, auf der die Fördersumme bekannt gegeben wurde. Anschließend dann Bilder über Bilder von Mikroskopen und Laboren, Arbeitssituationen und Gesprächsszenen für die Presse.

Seit ca. einem Jahr gibt es die Idee, ein Institut CARE am MPI anzusiedeln, in dem die neuen Möglichkeiten, die sich aus den Erfolgen in der Forschung mit adulten – also nicht embryonalen und somit ethisch unbedenklichen – Stammzellen ergeben, zu einer Anwendung im Bereich der pharmakologischen Entwicklung zu nutzen. Ich hatte gelegentlich Postillion gespielt und mich für die Sache in Düsseldorf über das ganze Jahr 2009 sehr eingesetzt.

An drei Orten wird weltweit an diesem Thema gearbeitet: in Kyoto/Japan, in San Diego/USA und eben hier in Münster. Die Fördersummen der Japaner und Amerikaner sind sogar noch leicht unter denjenigen, die jetzt hier zugesagt worden sind. Die begründeten Hoffnungen gehen dahin, dass sich künftig hier internationale Pharmakonzerne ansiedeln, um ihre Forschungen und Erprobungen im Kontext des CARE und des MPI zu machen.

Worum geht es? Aus den adulten Stellen werden durch Reprogrammierung pluripotente Stammzellen gezüchtet, die in der Lage sind, nahezu alle menschlichen Organismen zu bilden. Produziert man nun ein Lebergewebe aus den Zellen eines an einer bestimmten Krankheit erkrankten Menschen, kann man an dem Material die Wirkungseigenschaften des Medikaments erproben. Eine Fülle von Tierversuchen könnte damit überflüssig werden. Soweit das Ziel des neuen Instituts, das in der Nähe des MPI gebaut werden soll.

Nach diesem großen Ereignis war ich mit Annette Schavan, die mir aus alter Freundschaft einen Termin in Münster zugesagt hatte, im CeNTech, dem Zentrum für Nanotechnologie, wohin auch die Rektorin, der OB und Ruprecht Polenz gekommen waren. Außerordentlich eindrucksvoll ist das, was dort seit 2003 geschieht und ständig expandiert.

Mit dem MPI, dem neuen CARE, dem Institut für molekulare Bildgebung EIMI, den Einrichtungen der Nanotechnolgie mit der neuen Nanobioanalytik, dem Bau des neuen Pharmakologischen Instituts und nicht zuletzt MEET liegen die neuen Institute der Spitzenforschung und der Anwendung wie Perlen auf der Schnur. Allein in diesen Jahren sind das Fördersummen des Landes von über 125 Millionen Euro! – Dass dann am Abend eine gute Veranstaltung mit Bundesumweltminister Röttgen, Prof. Winter und anderen zu Energiefragen stattfand, rundete den großen Wissenschaftstag mit einer sehr spannenden Debatte ab.
________________________________________________________________________________

Mit dem Elektroauto unterwegs - ein spannender, vielseitiger Wahlkampftag!

Donnerstag, den 15. April 2010

Der Tag begann mit einer frühen Runde im schönen Gasthof Pleistermühle. Das Elektroauto schnurrte um halb sieben durch eine traumhafte Frühlingslandschaft der aufgehenden Sonne entgegen. Es handelt sich um ein Frühstückstreffen, das eine Gruppe von etwa 40 Selbständigen und Unternehmern jeden Donnerstag von 6:55 Uhr bis um halb neun durchführt. Der Inhaber eines Betriebs für Stickerei und Textildruck, Martin Schiller, hatte mich eingeladen und stellte mich auch vor.
Es handelt sich bei diesem, aus Amerika kommenden Verband um eine Vereinigung zum gegenseitigen Marketing. BNI wurde 1985 gegründet und ist heute mit Abstand die größte und erfolgreichste Organisation für „Empfehlungsmarketing“ weltweit. In 44 Ländern sind inzwischen rund 125.000 Geschäftsleute in sog. „Chaptern“ organisiert, die Geschäftsempfehlungen austauschen. Im deutschsprachigen Raum bestehen derzeit 225 Gruppen mit mehr als 5.600 Mitgliedern. In Münster sind es zwei Gruppen, ein dritte ist im Aufbau.
Eine sehr offene Form von Netzwerkbildung tut sich da auf. Es geht um die Empfehlung des eigenen Gewerbes, um Hinweise, Kontakt- und Umsatzvermittlung, was auch öffentlich festgestellt und erfasst wird. Je sechzig Sekunden stellen sich alle Mitglieder und die eingeladenen Gäste vor, ein 10 Minuten Beitrag folgt, die Zeit vergeht wie im Flug – und wieder einmal hatte ich hoch engagierte Geschäftsleute erlebt. Ich fühlte mich an meinen Vater erinnert, dem trotz unseres so kleinen Betriebs seine Selbständigkeit das wichtigste seiner Arbeit war.

Dann traf ich auf Minister Eckehard Uhlenberg und die Bundesministerin Ilse Aigner im Gartenbauzentrum Wolbeck. Was hat dieses Zentrum für eine gute Entwicklung genommen, wo man doch nach dem Abzug der Meisterschule 2006 dessen Ende befürchtet hatte! Die überbetriebliche Unterweisung aller Lehrlinge aus ganz Nordrhein-Westfalen und die berufliche Fortbildung von Gärtnern und Landwirten ließ sogar einen Anbau erforderlich werden. 

Von dem Bekleben des Elektroautos, von der Feier von drei runden Geburtstagen in der Akademie, von Besprechungen zur – falschen - Zweitwohnsitzsteuer und zu einem Planungsprojekt mit unterschiedlichen Akteuren, von der Kreisvorstandssitzung der CDU, wichtigen Telefonaten und anderem mehr sei an dieser Stelle keine Rede mehr. Es war halt ein voller, aber schöner Wahlkampftag.

Und dann zum Tagesausklang eine Männerrunde im Alten Gasthaus Lewe: Andreas Bollendorf hatte eingeladen, auf die Geburt seines fünften Kindes ein Bier zu trinken. In schöner Runde haben wir uns mit ihm und seiner Frau gefreut über den gesunden Sohn und die glücklich überstandene Geburt.
_________________________________________________________________________

WDR-Rundfunkrat

Mittwoch, den 14. April 2010

Seit vergangenen Dezember bin ich Mitglied des WDR-Rundfunkrates. Gestern war Sitzung der Programmkommission, heute des Rates. „Trainieren“ konnte ich diese Aufgabe in den ersten Jahren des lokalen Rundfunks in Münster, als Mitglied der Veranstaltergemeinschaft von „Antenne Münster“. Hier geht es natürlich um ein völlig anderes Unternehmen. Der riesige Apparat bestimmt nicht unerheblich die öffentliche Meinung in Nordrhein-Westfalen. Obwohl in den Radioprogrammen die lokalen Sender im Verbund „radio NRW“ auf dem ersten Platz liegen, erreicht der WDR im Radio und im Fernsehen erste Plätze.

Dass Gremium scheint lange Zeit völlig politisiert gewesen zu sein nach dem Motto: die Mehrheit ist klar bei der SPD (mit den Grünen), die CDU (mit der FDP) bekommt auch was ab und die so genannten Grauen fügen sich in das rote Filzschema mit schwarzen Brosamen ein. Der neue Rundfunkrat mit seinen 13 vom Landtag gewählten und weiteren 34 von gesellschaftlichen Verbänden und Gruppen entsandten Mitgliedern ist deutlich anders geworden.

Die neue Vorsitzende, Ruth Hieronymi, wurde quer durch die Lager gewählt und unter den neuen Mitgliedern gibt es die erklärte Absicht, den Rat nicht zu einer parteipolitischen Veranstaltung verkommen zu lassen. Nun geht es ja auch nicht allein um politisch relevante Fragen. Da sind die Kulturleute wie ich, da sind Westfalen und Rheinländer, da sitzen Wirtschaftsvertreter und Gewerkschaftler. Die vielen Fragen, die zu behandeln sind, lassen sich nicht in ein Rechts-links-Schema einordnen.

Gleich zu Beginn haben wir leider eine sehr unangenehme Sache zu behandeln: eine Programmbeschwerde über eine skandalöse Sendung aus dem vergangenen Oktober als unter dem unseriösen Titel „Heilung unerwünscht“ eine Salbe präsentiert wurde, die angeblich Psoriasis und Neurodermitis heilen könne und von der Pharmaindustrie verhindert werde, weil man die Kranken für den Profit mit anderen Präparaten brauche. Die Salbe erschien dann auf dem Markt und wurde wie das Buch zur Sendung zum Bestseller. Man kann den ganzen Skandal übrigens gut nach verfolgen auf http://www.esowatch.com/ge/index.php?title=Regividerm.

Ansonsten übt sich der neue Rat noch ein. Die neue Vorsitzende macht das sehr gut, und es wird sich auch ein Vertrauensverhältnis entwickeln, das gedeihliche Arbeit ermöglicht. – Und vielleicht wird schlussendlich, um doch noch politisch zu werden, aus dem Westdeutschen Rotfunk ein auch parteipolitisch pluraler Sender.

________________________________________________________________________________

Hauptschulen sind elementar für unser Bildungssystem

Dienstag, den 13. April 2010

Heute früh gab es eine Podiumsdiskussion am Kant-Gymnasium in Hiltrup. Natürlich ging es auch und vor allem um Bildungspolitik. Wir haben in dieser Frage ja wirklich einiges an Erfolgen vorzuweisen. Für Münster waren es, wie ich jetzt zusammen rechnen konnte, vom 1. Januar 2006 bis zum 1. 4. 2009 insgesamt 313 mehr Lehrerinnen und Lehrer für die Schulen in Münster…

Normalerweise nehme ich Ausführungen von Rüdiger Sagel von den NRW-Linken nicht zur Kenntnis, aber da fiel eine Bemerkung, die ein Symptom für ein bestimmtes Denken ist: Er sprach davon, dass es in diesem Land eine Durchlässigkeit des Bildungssystems nur von „oben nach unten“ gebe und die Schüler dann auf der Real- oder Hauptschule „landen“.

Ich habe mich über diese Äußerung sehr geärgert, denn sie geht davon aus, dass nur der Gymnasiast die wirkliche Bildung mitbekommt, während die anderen Schulen nur Restschulen seien, auf denen man dann eben „landet“. Der Ärger über die Fixierung auf die gymnasiale Bildung ist für mich ein Dauerthema. Wahrscheinlich, weil ich selbst sehr bewusst und gewollt die Hauptschule besucht habe. Über die Blasiertheit und das Überlegenheitsgefühl der „höheren Schüler“ habe ich mich damals schon aufgeregt. – Viele Schülerinnen und Schüler des Kant-Gymnasiums sahen das wie ich.

Wenn sich die Spitzenkandidatin der SPD in Münster mit dem Satz zitieren lässt: „interessante Jobs kriegt man ohne Studium kaum“ (MZ vom 6. 2.), dann zeigt das die völlige Unkenntnis des wirklichen Arbeitslebens – und eine Herabwürdigung der nicht-akademischen Berufe ist es noch dazu. Wollen wir, wie es heute am Podium gelegentlich auf der linken Seite schien, das Abitur für alle, Studium unter Wegfall jedes Numerus Clausus und nur noch (dann arbeitslose) Akademiker?

Warum müssen wir die Bildungswege immer in den Kategorien von gut und schlecht beurteilen? Ich bin sicher, es gibt sehr gute Schulen mit sehr guten Schülern und Lehrern in allen Schulformen – und leider auch das Gegenteil davon. 

Ein P.S. zum heutigen Blog:  am Abend ist das Elektroauto eingetroffen; es fährt sich wunderbar, ist durchzugsstark und wie jedes moderne Auto – nur eben ungewohnt leise und völlig ohne Schadstoffe.

_______________________________________________________________________________

Pumpenhaus - NRW-Förderung, Jubiläum und ein gelungener Spielplan

Dienstag, den 12. April 2010

Pressekonferenz zur neuen Pumpenhaus-Förderung mit Ludger Schnieder, dem Intendanten des Theaters, und Hans-Peter Boer von der Bezirkregierung: eigentlich wollten wir nur die 40.000 Euro neuer Förderung thematisieren, die das Pumpenhaus in der Konsequenz unseres Antrags zur Förderung der freien Theater- und Tanzszene erhalten wird. Nun kommt hinzu, dass der Wettbewerb zur Freien Tanzszene das Pumpenhaus ausgewählt hat für eine Förderung von 40.000 Euro, wie Staatssekretär Große-Brockhoff am 8. April bekannt gegeben hat.

Das Pumpenhaus kann seine Landesförderung damit fast verdoppeln. Eine schöne Gabe zum Jubiläum der Einrichtung in diesen Wochen. 25 Jahre gibt es das Pumpenhaus als Ort für experimentelles und Freies Theater. Längst sind die Gruppen, die dort auftreten nicht mehr unter den Kategorien Professionell und Amateur zu fassen: inzwischen werden in den lokalen und an das Haus geholten internationalen Ensembles aufregende, hochprofessionelle Ereignisse produziert.

Ich erinnere mich an meine Anfänge in der Kulturpolitik: vor 20 Jahren hatten der Kulturdezernent Münsters Hermann Janssen und die Kultursprecherin der CDU-Ratsfraktion Hildegard Graf den Bonner Kulturwissenschaftler Dr. Bernd Wagner nach Münster geholt, um ein ganz neues Konzept für die von einigen Ensembles bespielte Bühne zu entwickeln.

Die Lösung, die dann auch umgesetzt und später modifiziert wurde, ist der Unterhalt einer Spielstätte, die von einem Intendanten geführt, über Spielplan und Gastspiele entscheidet. Davon unterschieden ist eine Konzeptions- und eine Produktionsförderung für Freie Gruppen, die sich bewerben und deren Projekte von einer unabhängigen Jury ausgewählt werden. Die Uraufführung einer Produktion von dem Berlin-Münsteraner Theater T1 des  Regisseurs Thorsten Lensing im Pumpenhaus schaffte es sogar im letzten Jahr auf die Titelseite von „Spiegel-Kultur“.

Dass hier Gutes gelungen ist, das inzwischen auch die verdiente überregionale Aufmerksamkeit bekommt, liegt an der quirlig-kreativen Arbeit von Ludger Schnieder, der dem Haus sein Gepräge gegeben hat. Dank und Kompliment zum Geburtstag!

________________________________________________________________________________

Elektromobilität in Münster und im Wahlkampf...

Montag, den 11. April 2010

Eigentlich sollte ich heute schon das Elektroauto für den Wahlkampf haben – hoffentlich klappt es morgen. Der schon im Einsatz laufende alte Bulli sorgt in der Stadt für einiges Aufsehen – weil es für die einen eine gute Erinnerung und für die anderen ein Traumauto ist. Aber ergänzt werden soll der Oldtimer eben mit einem Auto, das als Symbol für ein Megathema steht: durch ein batteriegetriebenes Elektrofahrzeug, „Think-City“ aus norwegischer Produktion. Die Elektromobilität ist ein besonders ambitioniertes Ziel von Bund, Land und Wirtschaft gleichermaßen.

Besonders für Münster gilt das, denn hier ist das Zentrum der Batterieforschung angesiedelt. Am Lehrstuhl von Prof. Winter, einem Stiftungslehrstuhl von Evonik, arbeitet ein hochkompetentes Team an der Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Batterie, den Akkus, die jeder aus dem Handy oder dem Rasierer kennt. Es geht darum, Langlebigkeit und Kapazität ebenso zu steigern wie die Inhaltsstoffe umweltverträglicher zu machen.

Dabei geht nicht allein um die Akkus für die Autos von morgen, sondern auch um die Speicherung von Energie in der Stromerzeugung. Wenn es einmal gelingen wird, Wind- und  Solarenergie als gleichmäßige Grundlast vorzuhalten, bekommen solche Energien erst den richtigen Schub an Wirtschaftlichkeit. Weltweit wird diese Forschung mit den höchsten Summen gefördert und Münster ist ein europäisches Zentrum dafür.

Aus diesem Grunde wird zurzeit am Orleans-Ring mit fast 13 Millionen € Landesförderung ein neues Institut errichtet, das unter dem Namen MEET (Münster Electrochemical Energy Technology) firmiert. Die Anlage wird allein über 70 Arbeitsplätze aufnehmen und soll schon am Ende des Jahres in Betrieb gehen können.

Weil dieses Thema für Münster und das Münsterland von größter Bedeutung ist, hat sich nun auf unsere Initiative hin ein Arbeitskreis gebildet, der IHK und Handwerkskammer, Unternehmen, FH und Universität, Politik und Verwaltung zusammenführen will. Ich sehe in dem Thema Modellregion Elektromobilität eine große Chance für unsere Region und für die Spitzenforschung in Münster gleichermaßen.

Professor Winter ist am Freitag, dem 16. April, um 19 Uhr zusammen mit Bundesumweltminister Röttgen und anderen in einer Veranstaltung in den Stadtwerken am Hafen zu erleben – herzliche Einladung.
 ________________________________________________________________________________

Gelungener Wahlkampfauftakt in Oberhausen

Samstag, den 10. April 2010

Wahlkampfauftakt in Oberhausen – wir waren mit einem großen Reisbus voller Wahlkämpfer und Interessierter dort. Mit einem guten Programm wurde vor über 6.000 Besuchern gute Stimmung für die vor uns liegenden Wochen gemacht. Von Breakdance und anderer Akrobatik über Einspielfilme und Musik bis zu den Reden von Generalsekretär Krautscheid, der auch die CDU-Minister der Koalitionsregierung vorstellte, von Ursula von der Leyen bis zu Horst Seehofer spannte sich das „Vorprogramm“ bis zur sehr guten Rede unseres Ministerpräsidenten als Abschluss und Höhepunkt.

Mit besonderem Applaus bedacht wurde unser münsterländischer Minister Karl-Josef Laumann, der in der heutigen FAZ durchaus rühmend unter der schönen Überschrift „Rüttgers Blaumann“ porträtiert wird. Er schloss sein Statement mit einem Hinweis auf seine Erlebnisse beim Besuch einer Behinderteneinrichtung 1990 in der gerade untergegangenen DDR. Sein Kommentar: „Seit ich das gesehen habe, soll mir kein Sozialist mehr etwas über Sozialordnung vormachen wollen!“

Die Stimmung wird besser – wir können endlich über die Erfolge dieser Legislaturperiode sprechen und die Umfragewerte verbessern sich auch inzwischen. Neben vielem anderem gefiel mir ein etwas polemischer, aber schöner Werbefilm gut: ein Mann wälzt sich im Bett, gequält von einem rot-roten Alptraum, in denen Bilder und Schlagzeilen von Arbeitslosigkeit, Schulschließungen, Verstaatlichungen und anderem vorkommen. Schließlich weckt er seine Frau auf und fragt sie nach dem Tag: „Sonntag, der neunte Mai“ – er darauf: „wir müssen wählen gehen!“

Wenn wir den Schwung des heutigen Tages aufnehmen und weiter tragen können, dann werden wir es am 9. Mai schaffen. 


________________________________________________________________________________

Erste Resonanz auf unsere Schul-Kampagne

Freitag, 09.04.2010

Heute ein Anruf eines Schulleiters aus Münster: er fand die Plakate, die von der JU gestern vor den Schulen aufgehängt wurden, etwas heftig – und etwas zuviel. Wir haben uns bald darauf geeinigt, dass ich dafür sorge, dass drei der fünf Plakate wieder entfernt werden. Im Weiteren kam es zu einem sehr vernünftigen Gespräch über die Situation der Schulen. Warum macht man eine solche Kampagne?

Es ist wichtig, dass die Äußerungen zur Schule aus dem unverbindlichen „man sollte, man könnte, man müsste“ herauskommen und einmal wirklich deutlich wird, was eine Aussage wie die der SPD, man wolle eine „gemeinsame“ Beschulung bis zur Klasse 10, konkret bedeutet. Da geht es dann nicht mehr um eine Gesamtschule mehr oder weniger, sondern um den kompletten Umbau des Schulsystems unter Wegfall der Haupt- und Realschulen ebenso wie der Gymnasien. Ja, es stimmt: diese ganz konkrete Schule wird geschlossen, wenn rot-rot regiert.

Was eine solche Systemveränderung bedeuten würde, kann man sich leicht verdeutlichen, wenn man sich vor Augen führt, wie viel Unruhe und Probleme bereits die Umsetzung der – von der rot/grünen Vorgängerregierung beschlossenen – Verkürzung der Gymnasialschulzeit bedeutet. Unsere Schulen sind mit Reformen vorerst reichlich eingedeckt. Wäre es nicht sehr viel angebrachter, als sich immer wieder auf das Glatteis der Schulformdebatte zu begeben, über individuelle Förderung zu sprechen? Ein Thema, das in Münster auch wissenschaftlich sehr intensiv behandelt wird. Prof. Dr. Christian Fischer, der hier lange Jahre gearbeitet hat, konnte in diesem Semester zum Glück für unsere Universität aus der Schweiz zurück gewonnen werden.

15 Schulen in Münster haben inzwischen das Gütesiegel „Individuelle Förderung“ des Schulministeriums erhalten; Grund-, Haupt- und Realschulen ebenso wie einige der Gymnasien. Münster wird auch der Ort für die Ausrichtung einer großen Fachtagung am kommenden Samstag, dem 17. April sein, bei der es unter der Überschrift „komm mit! fördern statt sitzen bleiben“ um Konzepte der individuellen Förderung geht. Dass wir in den letzten Jahren den Anteil der „Sitzenbleiber“ um über 20 % senken konnten, ist sicher auch Ergebnis der Anstrengungen in diesem Bereich.

Weiterführende Informationen zu der Kampagne finden Sie hier.
Die Postkarte mit kurzen Informationen zum Thema finden Sie hier.
________________________________________________________________________________

"Handwerk hat goldenen Boden?!"


Donnerstag, 08. 04. 2010

Hans Rath, Präsident der Handwerkskammer Münster wurde am Ostersonntag 70 Jahre alt. Heute war ein großer Festakt mit viel Prominenz im Bildungszentrum in Mecklenbeck. Der Ministerpräsident hielt eine von viel Sympathie getragene Laudatio. Und es wurde gesungen und musiziert.

Ich empfinde immer ein wenig Heimatgefühle, wenn ich in der Umgebung des Handwerks bin. Meine Herkunft aus einem kleinen Betrieb und die eigene Lehr- und Gesellenzeit als Bäcker schlagen da immer wieder durch.

„Gott segne das ehrbare Handwerk“, das ist der alte Kolpinggruß und bei Richard Wagner ist es die Mahnung „Verachtet mir die Meister nicht!“. Heute wird das Handwerk eher zu wenig wahrgenommen, obwohl die meisten Ausbildungs- und Arbeitsplätze hier zu finden sind. Allein 847 tausend Menschen in Nordrhein-Westfalen sind Handwerker. Inzwischen macht dieser Wirtschaftsbereich mit einer sehr pfiffig-frechen Imagekampagne auf sich aufmerksam.

Eine Meldung hat mich im Januar aufgeschreckt: im Jahr 2009 konnten im Handwerk etwa 10.000 Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Offensichtlich fehlt es an der Überzeugungskraft für Jugendliche, auch Mangelberufe zu lernen, die nicht gerade „White-Collar-Jobs“ sind. Ein weiteres Problem ist sicher auch die mangelnde Qualifikation, um den deutlich gestiegenen theoretischen Anforderungen für eine erfolgreiche Lehre gewachsen zu sein.

Dem Mangel an qualifizierten Lehrlingen kann man nicht durch ein Abitur für alle begegnen, denn dieser Abschluss ist keineswegs hierfür der optimale – und entgegen anders lautender Meinungen nach wie vor die ganz seltene Ausnahme im Handwerk, wo die meisten Lehrlinge nach wie vor aus der Hauptschule kommen. Wir brauchen die richtige, nicht nach Kategorien von „besser“ oder „schlechter“ zu bewertende Bildung.

Diese Forderung ist unabhängig von der Schulform. Wir müssen endlich Schluss machen mit der Fixierung der Bildungsdiskussion auf das Gymnasium und das Abitur. Für die Menschen und für die Berufe ist die Bildung individuell zu optimieren. Dann können sich auch im Handwerk so tüchtige und überzeugende Persönlichkeiten entwickeln wie es der heute so hoch geehrte Hans Rath ist.
________________________________________________________________________________

Wie war das noch gleich mit dem Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen?

Mittwoch, den 07. April 2010

Ich bin kein großer Fan des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Hotelübernachtungen, aber der Krawall, der um diese Frage inszeniert wird, hat teilweise groteske Formen angenommen. Nun stand neulich ein Leserbrief in der FAZ, der mir heute wieder in die Hände fiel.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt unter Willy Brandt und Helmut Schmidt in Bonn Karl Moersch gibt darin die Geschichte des ermäßigten Steuersatzes wieder, der damit übrigens an die Regelung in 21 Mitgliedsländern der EU und der Schweiz angepasst worden ist. 

Der erst Antrag wurde im Bayerischen Landtag durch die sozialdemokratische Fraktion gestellt (Drucksache 15/4595). Die Fraktion der Grünen schloss sich am 11. Mai 2009 der Forderung an. In den Leitlinien der Bundes-SPD, vor der Bundestagswahl 2009 veröffentlicht, wurde der Antrag der bayerischen Genossen bestätigt, wie Moersch schreibt. Auch die Linkspartei forderte die Senkung der Mehrwertsteuer für Hotels auf 7 % in einer ihrer Publikationen.

Aber das alles wird in den Oppositionsparteien und auch in den Medien gern vergessen, wenn man bemerkt ein wie schönes Kampfthema man da aufbauen kann. Heute wird so getan, als wäre der Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen schuld an den drohenden Theaterkürzungen im Ruhrgebiet …

Noch eine Nebenbemerkung: heute ist der Bulli aus dem Jahr 1967 mit Wahlwerbung beklebt worden und das Team hat sich getroffen: mit einer so motivierten, großen Truppe macht es Spaß, die nächsten Wochen zu planen und zu starten!

________________________________________________________________________________

Pinkwart und Lienenkämper zu Besuch in Münster

Dienstag, 06. April 2010

Schöne Termine bei sonnigem Wetter: Minister Pinkwart und Minister Lienenkämper in Münster.

Der Wissenschaftsminister nahm beim ersten Spatenstich für das neue Pharmakologische Institut der WWU teil. Über 46 Millionen € werden an der Apffelstaedtstraße verbaut. Ein sehr schönes, neues Gebäude mit etwa 10.000 qm Grundfläche für Forschung und Lehre. Viele Besucher, die Universitätsspitze, Politik, Wissenschaft, Öffentlichkeit und Presse waren da. Der Minister hielt sich daran, keinerlei Wahlkampf zu machen. Als Letzter sprach der Geschäftsführer des BLB-NRW, Ferdinand Tiggemann, als Bauherr. Und er zeigte deutlich auf, wie die Finanzierung der Hochschulbauten durch diese Regierung auf ganz neue Füße gestellt wurde. Wie sie nun mit dem Hochschulmodernisierungsprogramm erheblich mehr bauen können, wie lange Jahrzehnte überfällige Sanierungen und Erneuerungen möglich gemacht werden und wie die Hochschulbaufinanzierung auf Jahre unabhängig von den jeweiligen Haushalten auf sichere Füße gestellt wurde: für die kommenden zehn Jahre sind im Land für jedes Jahr 1 Milliarde € vorgesehen. Die Universitäten bekämen nun endlich gute und neue Gebäude. Als Wahlkämpfer klingelten mir die Ohren: wie schön, wenn solch hohes Lob von den Fachleuten und nicht von den Wahlkämpfern selbst kommt.

Dann Lutz Lienenkämper am Bürgerradweg Roxel, für den ich mich eingesetzt habe. Dort hat er die Beteiligung des Landes an diesem wirklich vorbildlich-bürgerschaftlichen Projekt mit 150 tsd € bekannt gegeben. Am Bauschild mit den Namen wohl aller Gewerbetreibender und Ärzte in Roxel hatte der Verein Getränke und „Leezenbrot“ vorbereitet und war in großer Zahl erschienen. Der Minister war beeindruckt von dem vorbildlichen Engagement des Vereins.
Und schließlich in der Schulstraße noch ein Lob des Ministers für das Modellprojekt für generationenübergreifendes und soziales Wohnen. Dort wurden wir unter anderen von Thomas Hak empfangen, der das neue Atelierhaus genauso engagiert leitet wie er es mit der Ateliergemeinschaft im alten Schulbau seit Jahren getan hat. Dass die Künstler bleiben können, passt in unsere Konzepte für „Kreativquartiere“ und Atelierhäuser für Kreative, mit denen wir in der Landespolitik den Sog nach Berlin durch attraktive Bleibebedingungen mildern wollen. In Münster laufen solche Projekte schon seit vielen Jahren … - vorbildliche Kulturpolitik!

________________________________________________________________________________

MUIMUN, Qualitätsjournalismus und Quote

Montag, 5. April 2010

Am Nachmittag in der Schlossaula „Opening Ceremony“ von „MUIMUN“, Münster University International Model United Nations, einer Aktion von engagierten Münsteraner Studierenden, die Kommilitonen aus der ganzen Welt einladen zu Diskussionen und Gesprächen, zu Vorträgen und Verhandlungen über Probleme der Welt – im wörtlichen Sinne. Etwa 170 Teilnehmer waren da und boten ein faszinierendes Bild einer jungen - etwas ungewohnt festtäglich gekleideten - quirligen Gemeinschaft. Eine sehr unterstützenswerte Sache, die mit anderen von meinem Mitarbeiter im Wahlkreisbüro Benjamin Laag 2007 gegründet wurde.

Dort ein Gespräch mit einer Politikwissenschaftlerin über die wachsende Boulevardisierung der Medien. Sie berichtete von einer Analyse selbst der „Qualitätspresse“, die über die Finanzmarktkrise extrem fehlerhaft und skandalisierend berichte. Immer wieder falle das Wort vom „Tsunami“ und der Name „Ackermann“ müsse für allerlei Kritisches herhalten. Warum, so die Frage, werde nicht ein Journalismus betrieben, der vor allem bestrebt ist, komplizierte Sachverhalte aufzuarbeiten, verständlich zu machen und zu verbreiten?

Das Wettrennen um die Quote geht in die falsche Richtung, wenn man glaubt, im Nachreden des im Internet längst Hochgekochten, Skandalträchtigen und Sensationellen könne man die gedruckte Presse oder das alte Programmfernsehen retten.  Vielleicht werden die Zeitungen am ehesten überleben, die sich alternativ zum Mainstream des Banalen stellen und ihre Hauptaufgabe in der selbstbewussten eigenen Auswahl ihrer Meldungen sehen.
__________________________________________________________________________________
 

Nachtrag zum Karsamstag

Montag, 5. April 2010

Frohe Ostern allen Lesern dieses Blogs vorneweg!

Der Karsamstag ist ein merkwürdiger Tag. Alles ist in Vorbereitung für den Abend, die Osternachtfeier. Bei uns ist das immer verbunden mit einem abendliche Lammessen mit der ganzen Familie und einem Gast.

Sicher, auch die ersten Stände für den Wahlkampf gab es: Ostereier verteilen in Angelmodde und in der Innenstadt. Und am Morgen Dreharbeiten auf dem Markt, am Aasee und zuhause für ein Filmchen, das künftig auf dieser Seite den privaten Thomas Sternberg vorstellen soll. Es ist eine heikle Sache: wie weit soll der Einblick in das Privatleben gehen? Die Familie macht mit, denn irgendwie macht das Ganze ja auch Spaß.

Kaspar kam erst spät nachhause: er war mit fünfzig anderen JU-Mitgliedern aus Münster zum Überraschungsbesuch bei Helmut Kohl nach Ludwigshafen-Oggersheim gefahren, wo über 500 junge Leute dem Kanzler der deutschen und der europäischen Einheit gratulierten. Es ist das sprichwörtliche gute Verhältnis der Enkel zur Großelterngeneration, das alle zwischenzeitlichen Differenzen der in der Partei vergessen macht. Historiker werden einmal fragen, wie eigentlich der doch recht unbedeutende Anlass der Nichtnennung von Spendern zu solchen Verwerfungen führen konnte.

Im Rückblick bleibt am 80. Geburtstag der Dank an Helmut Kohl für ein großartiges Lebenswerk des überzeugten Europäers, der die deutsche Einheit mit der europäischen Einigung zu verbinden wusste. In dem Jahr seiner größten Krise hat er die historische Chance entschlossen zu nutzen gewusst und ist damit zum bedeutendsten Kanzler in der Geschichte der Bundesrepublik geworden. Gratulation und Dank!

Und schließlich die Osternacht: nicht für Liturgiker ist diese Feier etwas außerordentlich Bewegendes. Sie trifft den Kern unseres Glaubens und vermag die Freude über die Auferstehung immer wieder neu zu vermitteln.

________________________________________________________________________________

Frohe Ostern

Ostersonntag, 4. April 2010

- Heute kein Blog – keine Politik: nur schöne Ostern – und eine Nebenbemerkung!

Meine Lieblingsgeschichte aus den „Apophtegmata Patrum“, „Sprüchen der Väter“, den bis heute erhaltenen Aufzeichnungen aus den Klöstern Ägyptens des sechsten Jahrhunderts:
Bringt der junge Klosterbruder wie gewohnt dem Altvater, der in seiner Einsiedelei einige Kilometer entfernt vom Kloster als Einsiedler lebt seine Wochenration. Der Altvater tadelt den Jungen, weil er in seinem Korb ein gebratenes Hähnchen, Wein und andere Leckereien hat: „Du weißt doch , dass ich ein Asket bin und faste. Ich bekomme nur trockenes Brot für die Woche, was hast Du denn da mitgebracht?“ Der junge Klosterbruder erteilt dem Altvater darauf eine Lektion: „Heute ist Ostern, da darfst du nicht fasten!“
Was für eine schöne Religion, die auch - zu Zeiten – das Fasten verbietet!

_________________________________________________________________________________

Gedanken zum Karfreitag

Freitag, 2. April 2010

Der Karfreitag beginnt bei uns sei vielen Jahren mit der kuriosesten Prozession, die ich kenne. Wie seit Jahrhunderten treffen sich Münsteraner an den Altstadtkirchen und am Dom und ziehen mit Roisenkranzgebet und Liedern durch die leeren, ausgeräumten Kirchen – die eine Tür herein, die andere heraus. Wir genießen diesen Gang durch die völlig menschenleere Innenstadt als Einstimmung auf den Karfreitag und zugleich als willkommener anderer Blick auf die Stadt.

In der Osterausgabe der WN dann ein Artikel über Rüdiger Sagels Legislaturbilanz. Wieso er diese Heraushebung bekommt ist mehr als schleierhaft: wenn jemand, dann hätte sie Marie-Theres Kastner verdient, die ihre letzte Plenarsitzung nach zehn Jahren vorige Woche hatte. Als familienpolitische Sprecherin hat sie sich für das KiBiz eingesetzt, dessen Verbesserungen inzwischen auch wahrgenommen werden. Familienzentren, U3 – Betreuung und Sprachstanderhebung der Vierjährigen sind einige Erfolge, die mit ihrer Arbeit verbunden bleiben.

Wenn Herr Sagel meint, seine Beiträge hätten zu oft zu Unruhe geführt, so irrt er. Zumeist sind seine Tiraden am Rednerpult von allen Fraktionen mit betonter Missachtung der Kollegen (und den Rügen des Präsidiums) gestraft worden. Und seine Anträge wurden in der Regel „ein – stimmig“ – mit einer Stimme ja - geschlossen abgelehnt. Als er einmal selbst nicht da war, gab es sogar das Kuriosum, dass sein Antrag keine Ja und ansonsten nur Nein-Stimmen erhielt. Mit Parlamentarismus hat sein Auftreten nichts zu tun; er beschränkte sich auf grobschlächtigste Polemik in der Hoffnung, so werde er vielleicht wahrgenommen. Aber außer in Münster gibt es keinerlei Resonanz in den Medien auf ihn.

Aber die Politik war heute nicht so wichtig: da gab es eine Karfreitagsakademie im Franz Hitze Haus, ein wenig Osterkonfekt machen und natürlich die Liturgie, in der unser Pfarrer Stadtdechant Dr. Ferdinand Schumacher in Predigt und sensibel formulierter Fürbitte auf das alles überschattende Problem der Aufdeckung von Missbrauch in der Kirche einging.

__________________________________________________________________

Kinder sind unser höchstes Gut

Donnerstag, 1. April 2010

Die vielen schlimmen Meldungen über Kindesmissbrauch kann man fast nicht mehr ertragen. Wir haben in der Akademie eine sehr eindringliche Veranstaltung dazu gemacht. Heute früh war ein guter Beitrag von Kardinal Lehmann dazu in der FAZ. Die Debatte gerät aber auch aus den Fugen, wenn ich jetzt als ‚Sensation’ lese, dass Menschen als Kinder geohrfeigt worden sind. Wer von den jetzt etwa 50jährigen und Älteren hat das nicht in der Schule erlebt? Das gehörte zu einer völlig üblichen und tolerierten Pädagogik, die noch stolz darauf war, den Rohrstock abgeschafft zu haben…

Gut dass die Kinder heute anders aufwachsen und Körperstrafen nicht mehr zum Repertoire der Erziehung gehören! – Am Vormittag haben wir im Coppenrath-Verlag in der traumhaft ausgebauten Alten Feuerwache vom Leiter und Gründer Wolfgang Hölker Buchpakete für die Kindergärten Münsters bekommen. Anlass war der „Weltkinderbuchtag“, der am Geburtstag Andersons gefeiert wird. Ich hatte Herrn Hölker gebeten, doch einmal zu dieser Gelegenheit etwas für die Kinder seiner Heimatstadt zu tun und er war gern und großzügig darauf eingegangen.

Kinderbücher sind wichtig für die Leseförderung, aber auch für die Entwicklung von Kreativität und Neugier, die wichtigsten Voraussetzungen für Innovation und Bildung. Der Coppenrath-Verlag, der zu den zehn größten Verlagen des Landes gehört, hat seinen großen Durchbruch mit dem Hasen Felix erlebt, der heute zu den bekanntesten Kinderfiguren weltweit gehört. Mittlerweile geht es längst nicht mehr nur um das gedruckte Buch, sondern um ganze Kinderwelten. Das Unternehmen ist ein gutes Beispiel für die gewachsene Bedeutung der Kreativwirtschaft, die mit Kulturthemen eng zusammenhängt.

Am Abend dann mit der Gründonnerstagsliturgie der Auftakt der wichtigsten Zeit im Jahreslauf eines Christen. Ich freue mich auf die Tage mit allen fünf Kindern ohne Politik und Hektik.

_________________________________________________________________________________

Positive Neugikeiten - Bahnof Münster

Mittwoch, 31.03.2010

Ein Osterei in der Karwoche! – Am Schreibtisch arbeitend erreicht mich um 4 Uhr ein Anruf von Martin Messer, meinem Mitarbeiter in Düsseldorf. Am Telefon sei ein Redakteur der MZ, ob er verbinden könne. Es geht um die Ergebnisse des heutigen „Bahngipfels“, wo sich Ministerpräsident Rüttgers, der Chef der DB und die Minister Ramsauer und Lienenkämper getroffen und eine Vereinbarung unterzeichnet haben. Ich mache mich kundig im Ministerium, inzwischen habe ich auch die Pressemeldung – und mit den Anrufen von WN und Echo Münster kommen nun auch auf meinen Rechner die Informationen. Und nach Google-News hat Bild-Online die Meldung schon im Netz, als die Meldung rein kam.

Aber es ist auch ein schöner Gipfelpunkt, der da gesetzt wurde. Münster ist gleich an drei Stellen betroffen und genannt: immer wieder wurde in den letzten Wochen gestreut, die Strecke Münster Dortmund werde doch nicht zweigleisig ausgebaut – die Mittel seien im Bund gestrichen. Ich hatte immer dagegen gehalten, weil das Land hier die Planungsstufen 1 und 2 vorfinanziert. Und nun werden es auch die Planungsstufe 3 und 4. Und Bahn und Bund legen sich fest auf die Strecke, die als Seitenast Bestandteil des nun begonnenen RRX ist. Der Ausbau der Baumbergebahn Coesfeld Münster wird mit den Haltestellen nochmals bestätigt. Und vor allem: das Land bekräftigt seine früher vage Zusage, sich am Empfangsgebäude in Münster zu beteiligen. Die Bahn legt sich schriftlich auf den Vorrang dieses Projekts fest. Natürlich wird das Land nur fördern, was auch förderbar ist, aber genauso wie die Stadt wollen wir kein Kaufhaus mit Gleisanschluss in Münster. Die Bahnsteige, die Tunnel und Treppen, Aufzüge und Rolltreppen sind ja bereits im Bau, nun müsste es doch auch mit dem Gebäude endlich klappen!

An der Ostseite des Bahnhofs ist nur architektonisches Gewusel – da muss ganz dringend ein Bau her, aber ich finde das Gebäude zur Stadtseite hat seine Qualitäten – stellt man sich einmal die Fassade gereinigt, die Glashalle erneuert, das Flugdach wiederhergestellt und die Außenflächen ohne Pommesbuden etc., dann kann das ein durchaus schöner Bau wieder werden.

Am Vormittag im Frauenhaus des SKF in Münster. Ein sehr eindrucksvoller Besuch, der die Probleme der Frauen und ihrer Kinder unmittelbar deutlich werden ließ. Solche Besuche ersetzen eine Fülle von Lektüren. Aber wie riet mir mein lieber Kollege Josef Wilp (,der jetzt leider wegen seines Alters aus dem Landtag ausscheidet): „verlass Dich nie allein auf die Aktenlage und nie allein auf den Augenschein“, recht hat er!
Was sonst? – die Arbeitslosenzahlen für März sind gekommen: fast unverändert; 60 Arbeitslose weniger, die Quote bleibt bei 6,4 % - weit entfernt von den 10,7 % aus Februar 2005. Die Aufgabe bleibt, mit der Wirtschaft zu weiteren Arbeitsplätzen zu kommen und mit den Schulen für qualifizierten Nachwuchs zu sorgen.

________________________________________________________________________________

Der grüne T1 auf großer Fahrt! 

Dienstag, 30.03.2010

Heute haben mein Sohn Kaspar und ich das Wahlkampfauto abgeholt: ein grüner VW Bulli T1 aus dem Jahr 1967. 1967, da war ich 15 und Bäckerlehrling im zweiten Jahr. Was ist seitdem nicht alles passiert! 43 Friedensjahre mit der Europäischen Integration und der Deutschen Einheit als historischen Höhepunkten. Es macht Spaß solch ein Auto zu fahren, ohne Servolenkung, ohne Kopfstützen, Sicherheitsgurte, Airbags, Knautschzonen und anderen Dingen, die erklären, warum heute der Straßenverkehr so viel sicherer ist als damals. Ein Hingucker ist er allemal. Jetzt muss noch Werbung drauf. Dank an Peter Verfürth!

Am Abend eine Schulung für Wahlkämpfer; ein Termin, den ich beinahe vergessen hatte. Die hoch motivierten und engagierten Mitglieder nahmen es nicht übel, dass ich zu spät kam. Wir müssen vor allem die Kernkompetenz der CDU herausstellen. Wir verbinden wirtschaftliche Vernunft und soziale Verantwortung miteinander. Unsere großen Erfolge auf de Arbeitsmarkt müssen wie heraus stellen: in Münster gibt es heute eben satt 13.990 Arbeitslosen nur noch 9.147 – auch diese, 6,4 %, sind natürlich noch zu viel. Wie werden wohl morgen die neuen Zahlen aussehen? Münster ist bislang sehr gut durch die große Krise gekommen. Das ist wesentlich ein Verdienst der Bundeskanzlerin.

Neben vielem anderen war da noch die Eröffnung einer Ausstellung in der Bezirkregierung am Domplatz. „Emscherkunst“, eines der großen Projekte der Kulturhauptstadt 2010 wird von Münster aus begleitet und hier wurden die spektakulären Kunstaktionen vorgestellt. Mit dabei ist auch unsere Kunstakademie, aus der mehrere Künstler über mehrere Wochen mit einem Camp am Ort wohnen werden. Wenn allerdings der für dieses Feld Verantwortliche, Prof. Karl-Heinz Petzinka meint, man müsse das Großereignis künftig als Biennale alle zwei Jahre durchführen, dann ist das wohl eher eine Äußerung der Unart der Ruhrgebietsstädte, immer auf der Suche nach fremdem Geld zu sein.

Und dann war da noch das Großplakat der Linkspartei, die sich mit dem nicht ungeschickten Slogan „Freche Frauen wählen Die Linke“ auf Bäuerinnenfängerei begibt. - Im Netz findet man dagegen auf einer linken Seite den Eintrag: „Es findet sich so gut wie kein Kreisverband bei der LINKEN in NRW, der kein „Frauenproblem“ hat.“ …
________________________________________________________________________________

Bahnfahrten, Bibliotheken und Kulturkenner...


Montag, 29.3.2010

Genau um 11Uhr kam ich – wegen riesiger Bahnverspätungen auf etwas abenteuerlichem Wege - noch etwas hektisch in die Tür der Fraktionspressestelle in Düsseldorf. Es ging um die Vorstellung unseres Bibliotheksgesetzes. Einige Journalisten waren da, um zu hören, wie wir die Bibliotheksförderung des Landes auf neue Füße stellen wollen. Die Mittel für die Büchereien des Landes waren 2005 so niedrig wie nie – wir haben sie inzwischen verfünffacht. Nun soll ein Gesetz die vielen verstreuten Rechtsfragen bündeln, die mit den Bibliotheken zu tun haben: es geht um die Landesbibliotheken in Bonn, Düsseldorf und Münster, die wissenschaftlichen und Behördenbibliotheken, die kommunalen und freien Büchereien, die Digitalisierung der Bestände, die Verwaltungszuständigkeit und vieles andere mehr.

Unter anderem geht es auch um die Frage, wie Büchereien mit viel bürgerschaftlichem Engagement wie die Kirchlichen Öffentlichen Büchereien erhalten und gefördert werden können. Wir machen kein kostenloses Gesetz. Wir werden zwar Büchereien nicht zur Pflichtaufgabe machen, aber doch die Förderung deutlich erweitern.

Dies ist eine wichtige Etappe auf einem langen Weg, der mit einer Forderung der Enquète-Kommission „Kultur in Deutschland“ des deutschen Bundestages begann. Ich war deren Mitglied als Sachverständiger von 2003 bis Ende 2007. 2008 haben wir eine Analyse der Bibliothekenlandschaft Nordrhein-Westfalens beantragt, dann ging es in vielen Diskussionen bis zu den Eckpunkten, die wir heute vorgestellt haben. Übrigens erlebe ich es hier zum ersten Mal, dass Parlamentarier selbst ein Gesetz veranlassen und ausgestalten. Normalerweise kommen bereits lang erörterte und abgestimmte Texte aus den Ministerien.

Am Abend dann noch ein Treffen mit Leuten der Münsteraner Kulturszene: seit dem 15. Januar gibt es eine neue WebSite des Landes mit Informationen zum kulturellen Leben: „kulturkenner.de“. Als uns diese neue Seite im Kulturausschuss von André Limmer von der Firma „social@thinkers“ und dem Redakteur der Zeitschrift „k-west“ Andrej Klahn vorgestellt wurde, wusste ich: das musst Du den Münsteraner Kulturmenschen zeigen! Denn dieses neue Medium, das viele Elemente von Web 2.0 ausnutzt, ist viel mehr als nur eine Informationsplattform. Unser Problem in Münster ist ja die mangelnde landesweite Präsenz des Vielen, was bei uns gut und sehr gut läuft. Ich glaube es war ein guter Abend, zu dem trotz der wenigen Anschriften, die ich hatte, über 30 Interessierte gekommen sind.

Und dann ist da noch das Großplakat der Grünen, auf das mich meine Kinder aufmerksam machten; neben einer Schulbank ist zu lesen: „Banken, die wir fördern“ – war der Plural nicht Bänke?...

________________________________________________________________________________

Der Wahlkampf startet!

Sonntag, 28.03.2010

Der Wahlkampf läuft jetzt immer intensiver an: wir haben vorerst nur einige Großplakate aufgestellt; andere haben schon in der ganzen Stadt plakatiert. Da lese ich bei der SPD die Head-Line „Stolz auf ein NRW mit besserer Bildung für alle“; - nicht falsch, ich bin wirklich etwas stolz darauf, was wir in den letzten fünf Jahren alles geschafft haben: über 250 Lehrer mehr alleine hier in Münster, Kleinkinderbetreuung verzehnfacht, Universität und FH sind auf einem guten Weg, ihre Leistungsfähigkeit mit breiter Förderung auszuspielen und mit sozial verantworteten Studienbeiträgen endlich bessere Lehre anbieten zu können. Und nicht zuletzt 35 % weniger Arbeitslose in Münster…

Gestern war Teamtreffen der Wahlkampfteams: eine hoch motivierte Truppe kam da zusammen: wir freuen uns auf einen guten und aktiven Wahlkampf. Wir werden vermitteln, wie vieles bereits geschafft ist und wie die Erneuerung des Landes nicht  im alten Filz und Klüngel erstickt werden darf. Wir werden einen fairen Wahlkampf machen. Die Kandidaten der demokratischen Parteien werden nicht persönlich angegriffen – das ist nicht Stil der CDU-Münster und ganz sicher nicht meiner. Anders ist es mit Radikalen von Links wie Rechts. Man muss der kommunistischen Linkspartei NRW ihre menschenverachtende Ideologie nachweisen und die Menschen darüber aufklären, welche Gefahr lauert, wenn die Chaotentruppe mit ihrem wirren Programm in den Landtag von Nordrhein-Westfalen kommt. 

Am Mittag Absprachen zum Wahlkampfauto: in der kommenden Woche kann ich ein Elektroauto leasen. Es wird ein norwegisches City-Car, natürlich mit Litium-Ionen-Batterie, an deren Verbesserung in Münster geforscht wird. 12,5 Millionen € gibt das Land zum Bau des neuen Instituts an der Apfelstettstraße. Ich setze mich schon seit längerem für die Modellregion Münsterland ein. Da das nur ein Zweisitzer ist, gibt es für das Team  noch einen Oldtimer, einen T 1 – Bulli, den mir ein Freund leihen wird. So machen die Autor deutlich: mit innovativen Ideen wurde in der Vergangenheit: viel geschafft – für die Mobilität der Zukunft: noch viel zu tun.

Heute im Theater von 16 bis 22 Uhr: die Städtischen Bühnen Münster haben die Oper Parsifal inszeniert. Ein großes Erlebnis im ausverkauften Haus! Die Leistungsfähigkeit unseres Orchesters unter Generalmusikdirektor Ventura konnte man eindrucksvoll erleben. In allen Spardebatten um die kommunalen Theater im Land ist es wichtig, zu zeigen, was unsere Bühnen leisten. „In Gefahr und höchster Not bringt das Mittelmaß den Tod“, das haben sich wahrscheinlich Intendant Quetes und sein Team gesagt und haben sich eine der ganz großen Opern Wagners vorgenommen. Und es ist ein großes Erlebnis für die Besucher geworden. Es zeigt sich wieder einmal: für Stadt und Region sind Theater und Orchester ein Magnet.

Das wichtigste für mich selbst war: meine beiden Töchter sind am Wochenende mal wieder in Münster und heute hat die Heilige Woche mit dem Palmsonntag begonnen. Ich freue mich auf die Liturgien der Kar- und Ostertage.

   
Suche
     
Presseschau
Impressionen
CDU Landesverband
Nordrhein-Westfalen
1.12 sec. | 2667 Views